Politik : Merkel mahnt in Afghanistan Fortschritte an Besuch der Kanzlerin

bei Soldaten in Kundus.

Am Hindukusch. Angela Merkel sprach der Truppe am Freitag Mut zu. Foto: rtr
Am Hindukusch. Angela Merkel sprach der Truppe am Freitag Mut zu. Foto: rtrFoto: REUTERS

Masar-i-Scharif/Kabul - Bei einem Blitzbesuch in Afghanistan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Land Unterstützung auch nach dem Ende des Nato- Kampfeinsatzes 2014 angeboten. Sie stellte der Regierung von Präsident Hamid Karsai aber zugleich Bedingungen. Knapp eine Woche nach dem Tod eines deutschen Elitesoldaten in Afghanistan zollte die Kanzlerin bei einem Truppenbesuch in Kundus den Gefallenen ihren Respekt. Den Tod des Soldaten am vergangenen Samstag nannte sie einen Rückschlag.

„Wir wollen die Afghanen und Afghanistan nicht einfach im Stich lassen“, sagte Merkel am Freitag vor Soldaten im nordafghanischen Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif. „Wenn die anderen Nationen mitmachen, dann ist Deutschland bereit, auch nach 2014 in ganz anderer Form weiter Verantwortung zu übernehmen.“ Die Kanzlerin stellte aber auch klar, dass es keine bedingungslose Hilfe gebe. „Wir erwarten Fortschritte, wir erwarten faire Wahlen, wir erwarten einen politischen Prozess“, sagte Merkel. Allein durch militärische Kraft werde ein Sieg gegen die Aufständischen nicht gelingen.

Am vergangenen Samstag war in der an Kundus angrenzenden Provinz Baghlan ein Elitesoldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) getötet worden. Es war das erste Mal, dass ein KSK-Soldat in Afghanistan fiel. Merkels Reise war schon vor dem Todesfall geplant gewesen.

Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, die afghanische Regierung sei aus Sicherheitsgründen erst kurz vor der Landung von der Botschaft Deutschlands über Merkels Besuch in Kenntnis gesetzt worden. Auch ein Berater Karsais sagte, die Regierung in Kabul habe vorher nicht gewusst, dass Merkel einen Besuch in Afghanistan plane. Der Präsidentenberater, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, unangemeldete Besuche entsprächen nicht der „diplomatischen Norm“. Es sei „ziemlich respektlos“, wenn ausländische Regierungsvertreter das Land besuchten, ohne die afghanische Regierung darüber in Kenntnis zu setzen. Merkel flog am Freitag nicht nach Kabul. Karsai traf sie auf der Reise nicht.

Zuvor hatte Karsai Details zu den weiteren Plänen der US-Regierung in Afghanistan genannt. Während sich Washington in dieser Frage bedeckt hält, hatte Karsai am Donnerstag während einer im Fernsehen übertragenen Rede erklärt, dass die USA nach dem Ende des Nato- Kampfeinsatzes 2014 noch neun Militärbasen am Hindukusch unterhalten wollten. Deutschland hat als erstes Nato- Land bis zu 800 Soldaten für eine Ausbildungs- und Beratungsmission ab 2015 angeboten. dpa

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