Politik : Merkel patzt bei brutto und netto erneut

Cordula Eubel

Berlin - Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) hat erneut in einem Interview Brutto- und Nettolöhne verwechselt. Mit der Senkung der Arbeitslosenbeiträge um zwei Prozent wolle die Union einen Impuls für mehr Wachstum und Beschäftigung setzen, warb die CDU-Chefin für das Wahlprogramm. „Das bedeutet für die Arbeitnehmer ein Prozent mehr Bruttolohn“, sagte Merkel der Illustrierten „Bunte“. Da irrt sie: Den Beschäftigten bleibt bei geringeren Sozialabgaben mehr netto in der Tasche – das Bruttogehalt ist davon unberührt.

Am Sonntag hatte Merkel sich das erste Mal mit brutto und netto vertan – in einem Fernseh-Interview mit der ARD. Nur wenige Tage später passierte nun der zweite Patzer, den Grünen-Fraktionschefin Krista Sager mit Schadenfreude zur Kenntnis nahm: „Wir erinnern uns: Schon einmal konnte jemand brutto und netto nicht auseinander halten und wurde am Ende nicht Kanzler“, prophezeit Sager prompt. Im Bundestags-Wahlkampf 1994 war der damalige SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping mit Spott überzogen worden, weil er brutto und netto nicht auseinander halten konnte. Am Ende reichte es damals auch nicht für den Regierungswechsel – die SPD unterlag bei den Wahlen.

Der CDU war der Verwechsler unangenehm, den Fehler wollten Merkels Wahlkampfhelfer nicht stehen lassen: Auf der Homepage der Partei änderten sie am Dienstag die Abschrift des ARD-Interviews – und korrigierten den Fehler. Die Nettolöhne der Arbeitnehmer würden um ein Prozent steigen, zitierten sie die CDU-Chefin, abweichend von ihren tatsächlichen Äußerungen. Zur Begründung sagte Fraktionssprecher Barner, „Frau Merkel wollte nie netto sagen“. Mittlerweile wurde der CDU, die mit einem ehrlichen Wahlkampf wirbt, diese Korrektur offenbar peinlich: Im Laufe des Mittwochs verschwand das ARD-Interview der Kanzlerkandidatin von seinem prominenten Platz. Wer nun unter www.cdu.de sucht, wird erst bei einem Blick ins Pressemitteilungs-Archiv fündig: Dort ist der Text versteckt.

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