Politik : Merkel spricht in Danzig über Weltkriegsmuseum

Danzig sollte sich von seiner schönsten Seite zeigen. Kurz vor der Visite von Angela Merkel kletterten zwei Restauratoren noch auf dem Neptunbrunnen herum und polierten das bronzene Wahrzeichen aus dem 17. Jahrhunderte auf Hochglanz. Doch die deutsche Kanzlerin wurde in Danzig von einem Regenguss empfangen, der die ganze Arbeit wieder zunichte machte. „Das Wetter entspricht nicht der Stimmung, die heute zwischen uns geherrscht hat“, war Gastgeber Donald Tusk jedoch erpicht, bei der Pressekonferenz klarzustellen.

Aber nicht nur wegen des immer wieder einsetzenden Regens musste das Programm des nur wenige Stunden dauernden Besuches immer wieder umgestellt werden. Merkel und Tusk hatten am Montag noch ein ganz anderes Problem: Eines der zentralen Themen der Gespräche war weg gebrochen. Der polnische Premier wollte bei den Deutschen für sein großes außenpolitisches Anliegen werben, einer neuen Partnerschaft der Länder im Osten Europas. Mit dieser Initiative wollen die Polen zeigen, dass sich das Land nach Jahren der Blockadehaltung gegenüber der EU wieder als Gestalter europäischer Politik versteht. Doch nach dem „Nein“ der Iren zum Verfassungsvertrag, herrscht erst einmal Ratlosigkeit über die Zukunft der Union und vor allem neue Erweiterungsrunden sind vorerst unwahrscheinlich. Nach dem Willen der Polen sollten die Ukraine, Moldawien, Georgien, Armenien und Aserbaidschan die besondere Unterstützung der Union erhalten und langfristig in die Gemeinschaft aufgenommen werden.

Aus diesem Grund rückte ein Thema in den Vordergrund, dem die polnische Seite eigentlich nicht allzu viel Gewicht geben wollte: das geplante Danziger Museum des Zweiten Weltkrieges. Es sollte auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass Polen die Pläne zu dem ehrgeizigen Projekt in irgendeiner Weise eng mit Deutschland abspricht und Berlin auf diese Weise einen allzu großen Einfluss bekommt. Tusk will vermeiden, dass die national-konservative Opposition, die den Premier immer wieder als einen Vasallen Berlins bezeichnet, einen wirksamen Angriffspunkt bekommt, das Museum zu torpedieren.

Geplant ist eine Ausstellung, die umfassend alle Gräuel des Zweiten Weltkrieges zeigt. Mitmachen sollen alle Nationen, die von der Katastrophe betroffen waren. Einer der Antriebe der Polen, ein solches Museum zu bauen, ist auch die seit Jahren keimende Furcht, dass manche Nationen – darunter vor allem Deutschland – versuchen könnten, die Geschichte nachträglich zu ihren Gunsten umzuinterpretieren.

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