Politik : Merkel spricht mit Führung in Belgrad

Berlin - Gut drei Wochen nach gewaltsamen Ausschreitungen an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu politischen Gesprächen in die Region reisen. Anfang kommender Woche werde Merkel zu einem zweitägigen Besuch nach Belgrad (Serbien) und Zagreb (Kroatien) aufbrechen, kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch an. Bei den Gesprächen mit den Ministerpräsidenten und Präsidenten beider Staaten werde es auch um die Lage auf dem Balkan gehen. Dass Merkel bei ihrem ersten Serbien-Besuch ein Nachgeben im Kosovo-Konflikt verlangen wird, wie die serbische Zeitung „Blic“ berichtete, wollte Seibert allerdings nicht bestätigen. Das Land müsse ansonsten mit einer Blockade seiner weiteren Integration in die Europäische Union rechnen, heißt es im „Blic“ weiter. Seibert sagte lediglich, die Kanzlerin sei an einer positiven Entwicklung in den Ländern interessiert.

Bei einem Besuch in der kosovarischen Hauptstadt Pristina hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vor einer Woche Serbien und das Kosovo zur Beilegung ihres Grenzkonflikts aufgerufen. Die Zeit gewaltsamer Auseinandersetzungen „entlang ethnischer Linien“ in Europa müsse zu Ende sein, sagte er. Die von einigen serbischen Amtsträgern ins Gespräch gebrachte Teilung des Kosovo, also die Abtrennung des überwiegend von Serben bevölkerten Nordens, komme nicht infrage. Die „territoriale Integrität“ dieser Region sei beschlossene Sache, bekräftigte Westerwelle.

Seit 2008 ist die frühere serbische Provinz Kosovo ein unabhängiger Staat, Serbien will ihn aber nicht anerkennen. Die Bevölkerung im Kosovo ist zu mehr als 90 Prozent albanisch, im Norden des Landes gibt es allerdings eine serbische Mehrheit, die Belgrad immer noch als ihre Hauptstadt betrachtet. ce/dpa

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