Politik : Merkel unterstützt Schily im Streit um Flüchtlingslager

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Berlin Der Streit um die von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) geforderten Auffanglager für Asylsuchende in Nordafrika geht quer durch die Parteien weiter. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) lehnte den Vorschlag am Wochenende mit den Worten ab: „Ich halte davon nichts.“ CDU-Chefin Angela Merkel nannte Schilys Idee hingegen eine „legitime Überlegung“.

Die Idee sei „nicht zu Ende gedacht“, sagte Fischer im ZDF-Sommerinterview für „Berlin direkt“. Zur Verhinderung von Flüchtlingselend müsse sich die Bundesregierung in Afrika engagieren und den Menschen in den dortigen Krisenregionen eine Perspektive geben.

In der „Bild am Sonntag“ sagte Merkel, man dürfe den Vorschlag nicht gleich unterbügeln, wie es linke Sozialdemokraten und Grüne täten. Auch die CDU-Chefin bemängelte jedoch, dass noch viele Fragen in diesem Zusammenhang ungeklärt blieben.

Der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, zeigte sich unterdessen überraschend aufgeschlossen gegenüber Schilys Vorschlag. Er halte Lager, wie Schily sie vorsehe, wegen des belasteten Wortes zwar für falsch, sagte Neudeck der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er könne sich aber „Aufnahmeplätze“ an der Küste Nordafrikas unter der Führung des UN-Flüchtlingswerks UNHCR vorstellen. „Das Flüchtlingsproblem wird immer größer, da sind unkonventionelle Lösungen nötig“, sagte Neudeck, der die Führung von Cap Anamur abgegeben hat. Anlass für Schilys Vorstoß war der Streit um das deutsche Flüchtlingsschiff Cap Anamur gewesen. dpa

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