Politik : Merkel verärgert über Gauck Kanzlerin nicht informiert über Sotschi-Absage

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat offenbar erst aus den Medien erfahren, dass Bundespräsident Joachim Gauck nicht zu den Olympischen Spielen im russischen Sotschi fahren wird. So berichten es der „Spiegel“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Demnach sei die Kanzlerin verärgert über den Wirbel gewesen, den die Absage des Bundespräsidenten ausgelöst hatte. Die Entscheidung Gaucks war allgemein als Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in Sotschi interpretiert worden, obwohl das Bundespräsidialamt eine solche Begründung offiziell vermieden hatte. Auch im Ausland hatte die Absage Gaucks – sogar von einem Boykott war mittlerweile die Rede – große Aufmerksamkeit erregt. Frankreichs Präsident Francois Hollande reist ebenfalls nicht nach Sotschi. Es sei nicht vorgesehen, dass sich hohe Vertreter des Staates dazu nach Russland begäben, sagte Außenminister Laurent Fabius am Sonntag.

Das Bundespräsidialamt will den Medienberichten zufolge das Kanzleramt informiert haben. Denkbar ist, dass diese Nachricht die Leitungsebene des Kanzleramts nicht erreicht hat.

Die Spiele in Sotschi sind wegen Zwangsumsiedlungen, Korruptionsskandalen sowie eines Gesetzes, das „homosexuelle Propaganda“ unter Strafe stellt, in die Kritik geraten. Während es in Deutschland noch Unstimmigkeiten über den richtigen Umgang mit Russland als Gastgeberland gibt, zeigen die jüngsten Ereignisse in Russland, dass diese Frage tatsächlich rasch beantwortet werden sollte. Die russische Polizei durchsuchte am Wochenende die Häuser von acht Kritikern der Olympischen Spiele in Sotschi und brachte sie ins mehrere hundert Kilometer entfernte Krasnodar. Alle acht Festgenommen gehören der tscherkessischen Minderheit an.

Bei den Hausdurchsuchungen hätten die Polizisten behauptet, sie suchten nach einem Extremisten, der sich in einem der Häuser versteckt halte, sagte einer der Betroffenen der Nachrichtenagentur AFP. Nach einem Verhör wurden sie freigelassen, sie wurden aber für die kommenden Tage erneut vorgeladen.

Die Aktivisten gehen davon aus, dass sie wegen ihrer Kritik an den Olympischen Spielen festgenommen wurden. Die Minderheit lehnt die Spiele in Sotschi ab, da diese auf den Gräbern ihrer Vorfahren stattfänden. Vertreter der Tscherkessen dankten Gauck übrigens dafür, dass er nicht nach Sotschi fährt. Tsp

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