Politik : Merkels Manager

Ronald Pofalla wird Generalsekretär der CDU – er soll die Partei auch auf das liberale Milieu ausrichten

Hans Monath

Berlin - Die Grünen werden von allen Oppositionsparteien am aufmerksamsten registriert haben, wen CDU-Chefin Angela Merkel als neuen Generalsekretär ihrer Partei vorschlägt: Denn der 46-jährige Ronald Pofalla war einer der engagiertesten Fürsprecher einer „schwarzen Ampel“ von Union, FDP und Grünen, bevor die Ökopartei dieser Koalitionsoption nach der Wahl eine definitive Absage erteilte. Laut lobte der niederrheinische Rechtsanwalt die Wirtschaftspolitik der Grünen und erklärte, die kulturellen Gräben zwischen den Parteien seien zu überwinden, wenn die Partner sich bemühten.

Schon zu Beginn seiner bundespolitischen Laufbahn hatte sich der Sohn eines Arbeiters darangemacht, die Berührungsängste von Konservativen und Grünen zu überwinden: Wie andere „junge Wilde“ der Union im Bundestag knüpfte er Mitte der 90er Jahre noch unter Kanzler Helmut Kohl Kontakt zu jungen Grünen („Pizza Connection“). Gleichzeitig war er damals sehr darauf bedacht, nicht auf das Etikett eines Kohl-Kritikers festgelegt zu werden. Wenige Jahre später, zur Zeit der Spendenaffäre, sah man Pofalla denn auch häufig mit dem Altkanzler lange im trauten Gespräch zusammensitzen – Pofalla ist auch Anwalt in der Kanzlei, die Kohl vertritt.

Pofallas Bild der Sozialdemokraten dagegen dürfte vor allem durch die Erfahrung jahrzehntelanger Oppositionsarbeit in seinem Heimatland Nordrhein-Westfalen und durch das Steuerermittlungsverfahren geprägt sein, das die damals noch sozialdemokratisch geführte NRW- Justiz wenige Tage vor der Landtagswahl im Mai gegen ihn anstrengte – Pofalla war damals von Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers als Justizminister nominiert worden. Ein Gericht erklärte das spektakuläre Vorgehen gegen ihn später für rechtswidrig. Zum Fraktionsvize mit den Zuständigkeiten Wirtschaft und Arbeit stieg Pofalla im Herbst 2004 auf, nachdem Vorgänger Friedrich Merz zurückgetreten war. Da gehörte er schon zu Merkels „Boys Group“ von jüngeren Politikern, denen die Partei- und Fraktionschefin vertraut.

Zu den Aufgaben eines Generalsekretärs gehört es auch, Argumente zuzuspitzen und die Gegner zu attackieren. Insofern wird Pofalla die Grünen nur noch selten laut loben. Um ihre Wähler freilich wird er werben. Um die Union stärker für das großstädtische, liberale Milieu zu öffnen, ist er der richtige Mann.

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