Merkels Südamerika-Reise : Kanzlerin: Brasilien soll umweltfreundlichen Biosprit erzeugen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Brasilien zu einer umweltfreundlichen Herstellung von Biosprit aufgerufen. Umweltschützer kritisierten unterdessen den Abbau von Energiepflanzen - sie zerstörten den Regenwald und führten zu einer Verteuerung von Lebensmitteln.

Lula
Freundlicher Empfang: Kanzlerin Merkel bei Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva -Foto: AFP

Brasilia"Biokraftstoffe sind ein Weg zum Ersatz von klassischen fossilen Energieträgern, aber nur, wenn sie nachhaltig angebaut werden", sagte Merkel am Mittwoch in der Hauptstadt Brasilia. Im Anschluss unterzeichneten beide Länder ein Abkommen zur Zusammenarbeit in den Bereichen erneuerbare Energien und effiziente Energienutzung. Merkel wurde von Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva empfangen. Der Brasilien-Besuch bildete den Auftakt einer einwöchigen Lateinamerika-Reise der Kanzlerin.

Merkel forderte, dass Brasilien beim Anbau von Biokraftstoffen den Schutz des Regenwaldes beachten müsse. "Wir müssen aufpassen, dass es keine Verdrängung gibt." Die Kanzlerin nannte den Rücktritt der brasilianischen Umweltministerin Marina Silva ein "Warnzeichen" und stellte fest, dass auf diesem Gebiet noch viel zu tun sei. Die frühere Urwaldbewohnerin Silva war wegen ihrer strikten Haltung in Umweltschutzfragen immer wieder auf Widerstand gestoßen und am Dienstag schließlich zurückgetreten. Lula betonte, der Schutz Amazoniens sei eine "legitime Sorge" der internationalen Gemeinschaft. Niemandem sei diese Frage aber teurer und wichtiger "als uns Brasilianern".

Umweltschützer: Anbau von Biosprit-Pflanzen zerstört den Regenwald

Das deutsch-brasilianische Energieabkommen sieht laut Bundesumweltministerium keine konkreten Lieferungen der umstrittenen Bio-Kraftstoffe vor. Vielmehr soll eine Arbeitsgruppe bilaterale Kriterien für die Produktion von Bio-Kraftstoffen erarbeiten, damit für die Gewinnung von Ethanol kein Regenwald zerstört wird. Umweltschützer und Entwicklungshelfer kritisieren, dass die Produktion von Agrosprit in Brasilien zu Landvertreibungen, fortschreitender Zerstörung des Regenwalds und erheblichen Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln führt.

Angesichts der jüngsten Attacke von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez versuchte Merkel, die Wogen etwas zu glätten. Die Kanzlerin sagte, sie freue sich sehr auf den EU-Lateinamerika-Gipfel am Freitag in Peru und werde "sicher jedem freundlich guten Tag sagen". Chávez hatte Merkel am Sonntag in seiner wöchentlichen Fernsehsendung als Teil der deutschen Rechten, "die Adolf Hitler unterstützt hat", bezeichnet.

Merkel wird auf ihrer ersten Lateinamerika-Reise als Kanzlerin von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Im Mittelpunkt steht der EU-Lateinamerika-Gipfel in Perus Hauptstadt Lima, wo sie am Donnerstag eintrifft. Die Kanzlerin besucht außerdem Kolumbien und Mexiko. (ae/AFP)

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