Politik : Merz macht mobil

Über eine künftige Rolle des CDU-Finanzexperten darf spekuliert werden – das passt zum Wahlkampf der Union

Cordula Eubel

Berlin – Angela Merkel kann Paul Kirchhof, ihren Fachmann für Finanzen, vor den Neuwahlen nicht einfach fallen lassen. „Bezüglich Paul Kirchhof gilt das, was ich immer gesagt habe, allerdings in voller Demut vor dem Wähler“, wiederholt die Unions-Kanzlerkandidatin am Mittwoch daher auf die Frage, ob der ehemalige Verfassungsrichter im Falle eines Wahlsiegs tatsächlich Finanzminister werde. Die künftige Rolle des Finanzexperten Friedrich Merz lässt die CDU-Vorsitzende nach einem Treffen mit ihrem Wahlkampfteam offen: „Angesichts der Lage unseres Landes brauchen wir jeden, der mithilft“, sagt Merkel. „Wir brauchen Kirchhof und Merz.“

Das ist schmeichelhaft für Merz, hebt ihn aber nicht in den Rang eines Schattenministers. Merkel zählt noch eine Reihe anderer Politiker auf, bei denen es auch kein „Entweder-oder“ gebe. Sie brauche Günther Beckstein (Wahlkampfteam) ebenso wie Wolfgang Bosbach (kein Wahlkampfteam), Ursula von der Leyen (Wahlkampfteam) ebenso wie Maria Böhmer (kein Wahlkampfteam).

Mehrere CDU-Ministerpräsidenten hatten sich in den vergangenen Tagen dafür stark gemacht, dass ihr Parteifreund Merz wieder eine führende Rolle in der Bundespolitik einnehmen solle. Merz hatte nach einem Zerwürfnis mit Merkel im Oktober 2004 seine Spitzenämter in der Bundestagsfraktion und der CDU niedergelegt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im Sauerland zeigte der Finanzexperte sich nun offen für ein Comeback: „Ich bin bereit, mitzumachen und mitzuarbeiten.“

Der parteilose Kirchhof hatte für Verwirrung gesorgt, als er am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt ohne Absprache mit der CDU-Führung ein „Tandem“ mit Merz ins Gespräch brachte. Wie er sich eine solche Zusammenarbeit vorstelle, ließ er offen – später relativierte er seinen Vorschlag wieder. Der saarländische Regierungschef Peter Müller sagte, erst nach der Wahl am 18.September werde entschieden, wer welche Aufgaben übernehme. „Das Fell des Bären wird verteilt, wenn er erlegt ist.“ Kirchhof und Merz seien ein großartiges Pfund, mit dem die Union in den letzten Wahlkampftagen wuchern wolle. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus sagte, Merkel werde nach der Wahl schnell entscheiden, welche Rolle Merz spielen werde. Sollte es zwischen der Parteichefin und Merz einen Konflikt geben, lasse der sich überwinden, sagt Althaus. Ein inhaltliches Problem habe es zwischen den beiden ohnehin nie gegeben.

Dass über eine Rückkehr des Finanzexperten Merz in Führungspositionen spekuliert wird, kommt einigen in der Union gar nicht ungelegen. Kirchhof ist zwar an der Basis beliebt, er belastet aber den Wahlkampf, weil er SPD und Grünen Anlass zur Polarisierung bietet. Merkels Wirtschaftsberater, der Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, analysiert die Lage nüchtern: Kirchhof biete eine „offene Flanke für polemische Angriffe“, sagte er der „Financial Times Deutschland“. Alles scheine sich auf das Thema Kirchhof zu konzentrieren. Dabei müsse Merkels umfassendes Konzept diskutiert werden und nicht Kirchhofs Vision. Merkel jedenfalls tritt am Mittwoch lieber nur mit dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber vor die Presse – kein Kirchhof, keiner aus dem Wahlkampfteam. „Die müssen ja alle in den Wahlkampf“, kommentiert die CDU-Vorsitzende.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben