• Merz wirft Merkel Wortbruch vor CDU-Politiker: Wechsel in Fraktionsspitze lange vorbereitet

Politik : Merz wirft Merkel Wortbruch vor CDU-Politiker: Wechsel in Fraktionsspitze lange vorbereitet

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Berlin (Tsp/dpa). Der Finanzexperte der CDU, Friedrich Merz, hat Partei und Fraktionschefin Angela Merkel im Zusammenhang mit seiner Ablösung als Fraktionsvorsitzender scharf angegriffen. Er warf seiner Nachfolgerin in einem Interview der „Berliner Zeitung“ Wortbruch vor. Merkel habe ihren Anspruch auf das Amt der Fraktionschefin entgegen vorheriger Absprache mit den CDU-Landeschefs von langer Hand vorbereitet. CDU-Sprecher Matthias Barner, sagte dem Tagesspiegel am Sonntag zu den Vorwürfen von Merz: „Darüber wird in den Gremien gesprochen werden.“ Merkel selber schwieg zu den Vorwürfen.

Merz hatte die Fraktion zwei Jahre lang geführt. Nach der verlorenen Bundestagswahl musste er den Vorsitz zu Gunsten der Parteichefin räumen. Merz beklagte nun die fehlende Unterstützung durch Merkel. „Frau Merkel war leider nie bereit, sich in den Wochen vor der Wahl in der öffentlichen Personaldebatte um meine Person schützend vor mich zu stellen.“ Die Parteichefin, Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) und er hätten sich im Mai geeinigt, nach der Wahl gemeinsam einen Vorschlag zur Führung der Fraktion zu machen. Er habe der Verabredung allerdings „nie ein übermäßiges Gewicht“ beigemessen, „weil ich Frau Merkel in solchen Situationen mittlerweile kenne“.

Am Wahlabend habe Merkel ihm gemeinsam mit Stoiber eröffnet, er solle das Amt des Bundestagspräsidenten übernehmen. Er habe dies abgelehnt, da er Politik machen und nicht ankündigen wolle. Merz sagte, er habe auf eine offene Konfrontation verzichtet, obwohl er glaube, „dass ich eine Kampfabstimmung in der Fraktion gewonnen hätte. Aber was wäre übrig geblieben: eine zerrissene Fraktion, eine verunsicherte Partei und eine wochenlange Personaldebatte.“ Auch im eigenen Interesse habe er der Partei die Zerreißprobe ersparen wollen.

Er habe sich dann wie Ex-Fraktionschef Wolfgang Schäuble entschlossen, im Interesse des Landes und der Union „ins Glied der Partei zurückzukehren“, so Merz. Der Großteil der Fraktion habe Merkels Spiel „mit geballter Faust in der Tasche“ mitgemacht. CDU–Vize Christoph Böhr nahm die Parteichefin in Schutz. „Angela Merkel war und ist die absolute Nummer Eins der CDU. Sie macht ihre Arbeit sehr gut“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Dagegen äußerte Brandenburgs CDU-Chef Jörg Schönbohm Verständnis für Merz, kritisierte aber den Zeitpunkt und die Art der Diskussion.

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