Messe in Warschau : Benedikt XVI. warnt vor Abweichungen im Glauben

Bei strömendem Regen hat Papst Benedikt XVI. auf dem Pilsudski-Platz im Zentrum Warschaus eine Messe für hunderttausende Gläubige gehalten.

Warschau - Der Papst warnte die Christen eindringlich vor Abweichungen im Glauben. Die Gläubigen müssten fest zur Tradition der Bibel und der Kirche stehen, "auch wenn es manchmal schwer verständlich ist". Die überlieferten Worte des Religionsstifters Jesus Christi dürften keinesfalls verfälscht werden. Niemand dürfe das Evangelium verändern, weil es «seiner Meinung nach zu beschwerlich für den modernen Menschen ist», mahnte der deutsche Papst.

Die Messe ist ein erster Höhepunkt der viertägigen Polenreise des deutschen Papstes. Hunderttausende Menschen waren trotz des schlechten Wetters gekommen. Viele harrten bereits seit dem frühen Morgen aus, um sich einen guten Platz zu sichern.

Im Anschluss an die Messe nahm der Papst ein Bad in der Menge. Die Sicherheitskräfte hatten Mühe, ihn durch die Menge zu geleiten. Hunderte Menschen versuchten, den Papst zu berühren oder das Kirchenoberhaupt zu fotografieren.

Es war das erste Mal seit seiner Wahl vor über einem Jahr, dass der Papst derart klare Worte fand, zur «Glaubenstreue» mahnte und vor Abweichungen warnte. Wörtlich sagte er: «In den vergangenen Jahrhunderten wie auch heute gibt es Menschen und Gruppen, die die Jahrhunderte alte Tradition verdunkeln, die die Worte Christi zu verfälschen suchen und aus dem Evangelium solche Wahrheiten herausnehmen wollen, die ihrer Meinung nach zu beschwerlich für den modernen Menschen sind.»

Kritik an "Relativismus und Subjektivismus"

Weiter sagte der Papst: «Sie versuchen den Eindruck zu erwecken, dass alles relativ sei, dass sogar die Glaubenswahrheiten von der historischen Situation und der menschlichen Entwicklung abhängen.» Einen solchen "Relativismus und Subjektivismus" könnten Christen aber nicht hinnehmen. Sie müssten ihren Glauben an den Worten der Bibel ausrichten.

«Jeder Christ ist aufgerufen, seine eigenen Glaubensüberzeugungen ständig den Lehren des Evangeliums und den Überlieferungen der Kirchen gegenüberzustellen, um so dem Wort Christi treu zu bleiben (...) auch wen dies, menschlich gesprochen, nur schwer zu verstehen ist.» Einseitige, beliebige und selektive Interpretationen des Evangeliums dürfe es nicht geben.

Benedikt war vor der Papstwahl im April 2005 über 20 Jahre lang Präfest der Glaubenskongregation gewesen und damit «oberster Glaubenshüter» im Vatikan. Vor allem in dieser Funktion hatte er immer wieder Glaubenstreue gefordert und vor «Beliebigkeit der Interpretation» gewarnt.

Nach der Messe in Warschau stand ein Besuch Benedikts im Wallfahrtsort Tschenstochau in Südpolen auf dem Programm. Anschließend wollte er nach Krakau, wo sein Papst-Vorgänger Johannes Paul II. Kardinal gewesen war. Höhepunkt und Abschluss der Reise ist am Sonntag ein Besuch im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz, wo Benedikt mit Überlebenden des Holocaust beten will. (tso/dpa)

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