Politik : Methode Merkel zur Wahl

Robert Birnbaum

Berlin - Wenn es der eigenen Sache dient, redet Ronald Pofalla gelegentlich in Rätseln. Was denn ein Sieg Christian Wulffs in Niedersachsen und eine Niederlage Roland Kochs in Hessen für die künftige Wahlkampfführung der CDU bedeuten würde, hat den CDU-Generalsekretär am Montag ein Journalist gefragt. Pofalla würde wohl am liebsten gar nicht antworten. „Der hessische ist ein hessischer Wahlkampf und der niedersächsische ein niedersächsischer“, orakelt er schließlich.

Der kuriose Satz verdeutlicht mehr als er verbergen kann, wie sehr für Pofalla und seine Chefin Angela Merkel die Doppelwahl am nächsten Wochenende zur Strategieprobe wird. Gewinnt Wulff mit seinem landesväterlich unkontrovers angelegten Wahlkampf und Koch, der Kämpfer, verliert, könnte sich die Kanzlerin Merkel – so übel eine solche Niederlage ihres stärksten Unterstützers in der großen Koalition für sie ansonsten wäre – in ihrem landesmütterlich konsensualen Stil bestätigt sehen.

Gewinnt Koch aber gegen alle derzeitigen Umfragetrends doch noch, kämen auf Merkel schwere Zeiten zu. Unter Traditionellen in der CDU geht seit dem Wahlsieg von Nicolas Sarkozy die Sehnsucht um, dass, was in Frankreich möglich war, in Deutschland ebenfalls möglich sein müsste: Mit einem scharf konservativen Law-and-Order-Kurs eine Mehrheit zu erringen. Ein Sieg Kochs würde von diesen Truppen als Beweis gewertet, dass es geht.

Merkel, fürchten ihre Gefolgsleute, könnte sich ab da den Rufen nach schärferem Unionsprofil nur mehr schwer erwehren. Und auch auf ihren eigenen Bundestagswahlkampf 2009 dürfte ein solcher Wahlausgang nicht ohne Folgen bleiben. Zwar, sagt ein Unionsmann, werde „Merkel dann nicht den Koch machen“. Aber sie hätte wenig Argumente, wenn andere sich mit markigen Sprüchen auf Wählerfang machen würden. Pofalla ist die Gefahr erkennbar bewusst. Deshalb schiebt er dem rätselhaften einen klareren Satz nach: Man könne aus den jetzigen Wahlkämpfen „keine Schablone“ für künftige ableiten. Robert Birnbaum

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