Mexiko : Calderón als Wahlsieger bestätigt

Nach mehr als zweimonatigem Gerangel ist es jetzt amtlich: Felipe Calderón hat die Präsidentenwahl in Mexiko gewonnen - mit hauchdünnem Vorsprung.

Mexiko-Stadt - Das Wahlgericht teilte in Mexiko-Stadt mit, Calderón habe zweifellos die meisten Stimmen auf sich vereinigt. Die Entscheidung des Gerichts ist unanfechtbar. Der 44-Jährige liegt mit nur 0,56 Prozentpunkten vor seinem linksgerichteten Rivalen Manuel López Obrador, der die Wahl angefochten sowie Unregelmäßigkeiten im Wahlkampf angeprangert hatte. Neun Prozent der abgegebenen Stimmen wurden neu ausgezählt. Calderón tritt am 1. Dezember die Nachfolge von Vicente Fox an, der gemäß der Verfassung nicht mehr kandidieren durfte.

Der konservative künftige Präsident Mexikos will am Kurs von Liberalisierung, Privatisierung und Globalisierung festhalten, den sein Vorgänger Fox eingeschlagen hat. Damit setzte er sich schon im Wahlkampf klar von López Obrador ab, der sich die Bekämpfung der Armut auf die Fahnen geschrieben hatte. Für López Obrador war Calderón der Kandidat der Reichen und der Eliten. Der strenggläubige Katholik Calderón schaffte das Kunststück, in den Wochen vor den Wahlen einen großen Rückstand in den Umfragen auf López Obrador wettzumachen. "Ich bin wie ein gutes Pferd. Je höher die Hindernisse, desto höher springe ich, und ich schaffe sie alle", sagte der Vollblutpolitiker von sich.

Calderón muss ein gespaltenes Land einen

Zum Schluss wurde es ein Nervenkrieg mit Straßenprotesten der Linken und einer sich wochenlang hinziehenden Entscheidung des Wahlgerichts in Mexiko-Stadt. Jetzt muss Calderón das Kunststück vollbringen, das gespaltene Land zu einen. Die von seinem Rivalen angezettelten Straßenproteste in der Hauptstadt, die nach Angaben von Geschäftsleuten der mexikanischen Wirtschaft schon jetzt Millionenverluste eintrugen, sind da ein erster Vorgeschmack. López Obrador hat die Bildung einer "Regierung des zivilen Widerstandes" angekündigt und für den 16. September zu einem "nationalen demokratischen Konvent" aufgerufen.

Der dreifache Vater fand früh seinen Weg in die Politik. Schon mit acht Jahren verfasste und verteilte er politische Traktate. Mit 18 Jahren trat er in die von seinem Vater mitbegründete Partei der Nationalen Aktion (PAN) ein, um gegen die seit 1929 autoritär regierende PRI Politik zu machen. 33-jährig stieg Calderón zum PAN-Generalsekretär auf, drei Jahre später wurde er Parteivorsitzender (1996-1999). Ein Studien-Intermezzo in Harvard folgte.

"Unfolgsames Kind"

Seine Erfolge erkämpfte sich Calderón oft aus wenig aussichtsreicher Position oder gegen den Willen der Vorderen. In seiner Partei trägt er daher den Spitznahmen "unfolgsames Kind". PAN-Chef Carlos Castillo Peraza wollte 1996 einen anderen als Nachfolger. Es wurde Calderón. Präsident Fox hatte eigentlich seinen Innenminister Santiago Creel als Thronfolger auserkoren. Wieder setzte sich Calderón durch und brachte bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten die Delegierten hinter sich.

Im Wahlkampf warb Calderón mit seinem Image als Saubermann, das in einem Land, wo Korruption immer noch an der Tagesordnung ist, viele Wähler überzeugte. "Ich glaube an die ethischen Werte, das Prinzip der Ehrenhaftigkeit. Und ich möchte, dass diese Prinzipien und Werte in der Regierung herrschen, um dem Volke zu dienen", kündigte er an. Ob er die hehren Worte auch umsetzen kann, wird sich in den nächsten sechs Jahren seiner Präsidentschaft zeigen. (Von Patrick Moser, AFP)

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