Politik : Mexiko setzt auf Sonnenergie Deutsche Hilfe für Solarhäuser

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Puebla - Auf den ersten Blick sieht die Neubausiedlung Los Heroes am Stadtrand von Puebla so schematisch und schmucklos aus wie die meisten Reihenhausprojekte, die in den vergangenen zehn Jahren für die aufstrebende mexikanische Mittelschicht entstanden sind. Der Unterschied sind die vielen Sonnenkollektoren, die hier auf den Dächern stehen. Regenwasser-Kollektoren, Energiesparlampen und regulierte Wasserzuläufe sparen Strom, Gas und Wasser. Und zwar eine ganze Menge, wie Rubí Martínez sagt. Die 31-Jährige ist mit ihrem Mann Ende 2009 in das 60 Quadratmeter große Haus eingezogen. „Wo wir früher wohnten, haben wir monatlich bis zu 600 Pesos (35 Euro) für Strom und Gas bezahlt, jetzt sind es 140“, sagt die junge Frau. „Den Gasboiler benutzen wir kaum“, sagt Martínez.

„Bis zu 40 Prozent Wasser und bis zu 50 Prozent Gas und Strom sparen wir in den Ökohäusern ein“, sagt Miguel Angel Sánchez von der Baufirma Sadasi. Von den 7000 Häusern von Los Heroes sind 2500 ökologisch gebaut. Beim Kauf können sich die Kunden entscheiden, ob sie ein normales oder ein Ökohaus wollen. Das ökologische kostet in der Anschaffung rund 10 000 Pesos mehr. „Obwohl es dafür Vorzugskredite gibt und die höheren Anschaffungskosten in fünf Jahren durch die Ersparnisse amortisiert sind, schreckt der Mehrpreis viele zunächst einmal ab“, sagt Sánchez. „Das ökologische Bewusstsein steckt hier eben noch in den Kinderschuhen“, seufzt er.

Doch Martin Amtmann ist zufrieden. Der GTZ-Experte, der die mexikanische Regierung berät, verweist auf den enormen Zuwachs an Solarkollektoren. „Alleine 2008 wuchs der Markt um sieben Prozent“, sagt er, obwohl das ein Krisenjahr war für die mexikanische Wirtschaft. Als Investitionsanreiz für die nicht so kaufkräftige untere Mittelschicht haben sich die grünen Hypotheken erwiesen. Von 2010 bis 2012 werden in diesem Programm nun 25 000 Hauskäufer mit durchschnittlich 100 Euro pro Solarkollektor bezuschusst – ein Vorschlag der GTZ, der vom deutschen Umweltbundesministerium finanziert wird. „Mexiko ist damit ein Vorreiter bei den Schwellenländern“, sagt Amtmann.

Insgesamt will die mexikanische Regierung bis 2012 sechs Millionen neue Häuser bauen und eine Million davon mit Öko-Technologien ausstatten. Damit würde nicht nur die Energie- und Klimabilanz des Schwellenlandes deutlich verbessert, sondern auch Wasser gespart, das in Mexiko immer knapper wird. Für 2015 prognostiziert die Weltbank dem Land einen Wassernotstand, sofern so sorglos weitergewirtschaftet wird wie bisher. Ein weiterer Vorteil sind Einsparungen beim Staatshaushalt, denn Erdgas wird von der Regierung subventioniert. Sandra Weiss

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