Politik : Mexiko: Subcomandante Marcos legt die Waffen ab

Sieben Jahre nach Beginn ihres Aufstands im Süden von Mexiko haben die Zapatisten ihre Waffen abgelegt und sind zu einem Protestmarsch gegen Armut und Unterdrückung in die Hauptstadt aufgebrochen. Mehrere tausend Menschen feierten den Guerillaführer Subcomandante Marcos auf der ersten Station des Marschs in der Provinzhauptstadt San Cristobal de las Casas. Marcos warf Präsident Vicente Fox in einer kurzen Ansprache am Samstagabend vor, noch nicht die Voraussetzungen für die Aufnahme von Friedensgesprächen geschaffen zu haben. Der stets maskiert auftretende Guerillaführer nannte den Politiker einen "Herrn, der viel redet, aber wenig zuhört".

Fox hatte sich unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Dezember vergangenen Jahres zum Dialog mit der Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee (EZLN) bereit erklärt. Verhandlungen mit der früheren Regierung über mehr Rechte und eine bessere Lebensqualität der verarmten Landbevölkerung von Chiapas kamen 1996 zum Stillstand. Jetzt macht die EZLN die Schließung von sieben Militärstützpunkten in Chiapas, die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen und die Verabschiedung eines bislang gestoppten Gesetzes über die Selbstverwaltung indianischer Gemeinschaften zur Bedingung für Friedensverhandlungen.

Auf dem Zocalo von San Cristobal, dem zentralen Platz der Stadt, kletterten Anhänger der EZLN auf Dächer, um sich den besten Blick auf die zum ersten Mal aus dem Untergrund auftauchenden Rebellen zu verschaffen. Während sich deren Ankunft um fünf Stunden verzögerte, brandeten immer wieder Sprechchöre wie "Der Kampf geht weiter!" oder "Lang lebe Marcos" auf. Dieser legte zu Beginn des Marschs in der Ortschaft La Realidad demonstrativ seine Waffen ab. Auch die anderen 23 Guerillaführer trafen nach sechsstündigem Marsch durch den Dschungel unbewaffnet in San Cristobal ein. Zusammen mit hunderten Sympathisanten wollen die Guerilleros zwei Wochen lang durch das Land ziehen und am 11. März in Mexiko-Stadt ankommen.

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