Politik : Mexiko: Subcomandante Marcos raucht die Friedenspfeife

Willi Weissert

Aus der Tiefe des Lakandonen-Urwalds hat sich Subcomandante Marcos zurückgemeldet: Eine Pfeife unter der Skimaske rauchend, ein AR-15-Gewehr auf dem Rücken - so schickt er Friedenssignale an die neue mexikanische Regierung von Präsident Vicente Fox. Zum ersten Mal seit 15 Jahren werde er den Dschungel von Chiapas verlassen und zu Verhandlungen nach Mexiko-Stadt fahren, kündigte der politische Führer der Nationalen Befreiungsarmee Zapata (EZLN) an.

Damit deutet sich eine Lösung des Konflikts an, der seit dem Neujahrstag 1994 die Spaltung der mexikanischen Gesellschaft offenkundig macht. Damals besetzten die EZLN und tausend Indios fünf Orte im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas und erklärten der Regierung den Krieg. Sie forderten Land und Brot, Frieden und Gerechtigkeit, Schulen und Hospitäler und gewannen weit über die Grenzen Mexikos hinaus Sympathien.

"Wir gehen, um die Arbeit zu erledigen, die unsere Genossen von uns erwarten: Diesen Krieg zu einem Ende zu bringen." Die EZLN reagiert mit ihrem überraschenden Vorstoß auf eine Friedensinitiative der neuen Regierung, die einen teilweisen Truppenabzug aus der Region im Süden Mexikos angeordnet hat. Marcos sagte, er akzeptierte den Chiapas-Beauftragten von Präsident Fox, Luis Alvarez, als Unterhändler der Regierung. Als Abgeordneter des Senats in Mexiko-Stadt hatte Alvarez 1996 an einer Gesetzesvorlage für mehr Rechte zugunsten der indianischen Bevölkerung Mexikos mitgewirkt. Diese wurde vom Kongress abgelehnt, jetzt aber von Präsident Fox neuen Parlament erneut zur Beratung vorgelegt.

Die EZLN beobachtet die Ablösung der 71 Jahre lang regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) durch die rechtsliberale Nationale Aktionspartei (PAN) dennoch mit tiefem Misstrauen. Er wolle, so sagte Marcos mit Blick auf den strikt marktwirtschaftlichen Kurs des Präsidenten, nicht zulassen, dass Fox Mexiko "zu einem riesigen Kaufhaus mache, in dem das Leben der Menschen und die natürlichen Ressourcen gekauft und verkauft werden, wie es der Markt verlangt". Was wird nach einer Beilegung des bewaffneten Konflikts aus den Zapatisten? Marcos sagt, dass die EZLN nach einem Ende des bewaffneten Konflikts in eine politische Organisation umgewandelt werden soll - nicht aber in eine Partei. Warum? "An erster Stelle, weil wir verlieren würden."

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