Michael Jürgs : Folgenschwere Pannen im Fall Rohwedder

Es ist noch immer ein unaufgeklärtes Verbrechen: der Mord an Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder vor 20 Jahren. Der ehemalige "Stern"-Chefredakteur Michael Jürgs präsentiert in seinem neuen Buch interessante Details zu diesem Fall.

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Der frühere "Stern"-Chefredakteur Michael Jürgs.
Der frühere "Stern"-Chefredakteur Michael Jürgs.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Eigentlich war Rohwedder Chef des Stahlkonzerns Hoesch, aber der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) überredete ihn, den Job bei der Treuhand anzunehmen. Und das hieß über Wohl und Wehe ehemaliger Staatsbetriebe der DDR zu entscheiden. Am 1. April 1991 zahlte er dafür mit seinem Leben. Aufgeklärt ist der Mord bis heute nicht. Bekannt zu der Tat hat sich zwar die Rote Armee Fraktion. Allerdings gibt es auch Theorien, die die Stasi als Drahtzieher sehen.

Der ehemalige Chefredakteur des "Stern" geht in seinem neuen Buch "BKA, Europol, Scotland Yard - Die Jäger des Bösen" auch diesem Fall nach und berichtet von interessanten Details. Demnach habe es gleich zwei folgenschwere Pannen gegeben, von denen Rohwedders Frau Hergard berichtet. So habe es in Nordrhein-Westfalen keinen Personenschutz für den Treuhand-Chef gegeben. In Berlin sei er dagegen bewacht worden. Auch nach einem Brandanschlag auf die Behörde wenige Tage vor dem Mord habe zu keinem Umdenken geführt.

Auch habe man auf schusssichere Fenster im ersten Stock in der Düsseldorfer Villa verzichtet - allerdings nicht, weil es die Familie nicht wollte, sondern weil die Experten es nicht in Erwägung gezogen hätten. Dort wurde Rohwedder erschossen. Für Jürgs steht fest, dass der RAF-Terrorist Wolfgang Grams zu den Tätern zählt. Befragen kann man den aber auch nicht mehr. Denn er kam bei einem Einsatz des GSG-9-Kommandos 1993 in Bad Kleinen ums Leben.

Jürgs beschäftigt sich in seinem Buch allerdings nicht nur mit dem Fall Rohwedder, sondern er erzählt die Geschichte des BKA, erlebte die Arbeit von Scotland Yard und beschäftigte sich mit den Strategien von Europol. Am heutigen Donnerstagabend liest der renommierte Journalist aus seinem Buch in der Urania. Beginn ist 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt fünf Euro und als Urania-Mitglied zahlt man 3,50 Euro.

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