Michail Chodorkowski : "Angela Merkel ist für Putin eine gefährliche Person"

Russlands Präsident Wladimir Putin würde den Zerfall der EU begrüßen, sagt der frühere Oligarch Michael Chodorkowski. Erst dann könne Russland Einfluss nehmen.

Michail Chodorkowski, ehemaliger russischer Öl-Magnat und Ex-Häftling.
Michail Chodorkowski, ehemaliger russischer Öl-Magnat und Ex-Häftling.Foto: Heinrich-Böll-Stiftung e.V.

Laut dem russischen Kremlkritiker Michail Chodorkowski hält Präsident Wladimir Putin die westlichen Politiker für schwach. Eine Ausnahme sei die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. „Sie ist für Putin eine gefährliche Person“, sagt Chodorkowski im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Putin habe versucht, sie unter Druck zu setzen, sei aber mit dieser Taktik gescheitert. Er würde einen Zerfall der EU begrüßen, weil Russland dann mit jedem Land „einzeln verhandeln und mithilfe der Rechts- und Linksradikalen Einfluss ausüben“ könne.

Russland erlebe eine Übergangszeit, und die Wahrscheinlichkeit sei groß, „dass zwischen 2018 und 2024 sehr viele ernst zu nehmende Veränderungen vor sich gehen werden.“ Bei genauer Betrachtung, so der Aktivist, würden nur 15 Prozent der Wähler die russische Regierung aktiv unterstützen. Chodorkowski wolle sich mit seiner Stiftung und seinen Aktivitäten in Russland auf einen politischen Wechsel vorbereiten. „Ich will, dass eine Reservemannschaft entsteht, deren Stunde schlägt, wenn Putin geht“, sagt er.

Michail Chodorkowski war in den neunziger Jahren einer der erfolgreichsten Geschäftsleute Russlands. Er überwarf ‎sich mit Präsident Putin, weil er auch politisch Einfluss ausüben wollte. Chodorkowski wurde 2003 verhaftet und verlor große Teile seines Geschäftsimperiums. Er saß bis 2013 im Gefängnis, die längste Zeit davon in Sibirien. Heute lebt er in London. (tsp)

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