Michel Friedman : "Ich erwarte, dass Broder es ernst meint"

Die Ankündigung des Publizisten Henryk M. Broder, für das Präsidentenamt des Zentralrats der Juden zu kandidieren, hat hohe Wellen geschlagen. Reaktionen von Michel Friedman, Schriftsteller Rafael Seligmann und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.

Michel Friedman

erklärt im Tagesspiegel zu den Plänen Broders: "Die jüdische Gemeinschaft freut sich über jeden, der sich ehrenamtlich einbringt. Jeder hat auch das Recht, die anderen zu kritisieren. Aber wenn die Kritik zur persönlichen Diffamierung wird, wie Broder es tut, wenn er Charlotte Knobloch und Stephan Kramer angreift, dann schreibt sich der Betreffende selbst ein schlechtes Zeugnis. Ich erwarte nun aber auch, dass Henryk Broder es ernst meint mit seiner Ankündigung und den Zentralrat nicht zum Zweck der Selbstvermarktung missbraucht."

Der Schriftsteller Rafael Seligmann äußerte sich wie folgt: "Wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland, jeder kann für alles kandidieren. Wir brauchen auch Hofnarren. Als solcher gebärdet sich Herr Broder mit seiner Ankündigung, für das Präsidentenamt beim Zentralrat der Juden zu kandidieren. Denn die Hauptaufgabe dieses Gremiums ist es, sich um die Belange der Juden in Deutschland zu kümmern. So hat man in den vergangenen Jahren 100.000 Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion integriert, Charlotte Knobloch hat mit ihrer Gemeinde in München ein neues Gemeindezentrum im Herzen der Stadt gebaut. Auf so etwas kommt es an."

Der Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik äußerte sich zu Broders Ankündigung, für das Präsidentenamt im Zentralrat der Juden zu kandidieren: "Henryk M. Broder ist für den Zentralrat das, was Gabriele Pauli für die CSU war."

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Lala Süsskind, begrüßte Broders Ankündigung im Tagesspiegel: "Das ist eine spannende Sache. Broder ist ein sehr angenehmer Gesprächspartner, er ist klug und unterhaltsam. Ich würde ihn sogar selbst ins Direktorium des Zentralrats wählen, weil er die Diskussion sicherlich beleben würde. Ich glaube aber nicht, dass er eine Chance hat, ins Präsidentenamt gewählt zu werden. Für dieses Amt ist doch mehr Ernsthaftigkeit gefragt. Außerdem hat er keine Lobby im Zentralrat."
Süsskind ist selbst Mitglied im Präsidiums des Zentralrats.

Aiman Mazyek, Generalsekretär Zentralrat der Muslime, sieht Broders Ankündigung ironisch: "Broder ist immer für eine Überraschung gut. Vergangenes Jahr soll er sogar zum Islam konvertiert sein, haben wir gehört. Damals kommentierte Broder das so: "Ich gehöre nun zu 1,3 Milliarden Muslimen in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen". Deshalb lade ich Herrn Broder ein, auch bei uns zu kandidieren. Bei uns müsste er vorher nicht mal Mitglied in einer Moschee oder einem Dachverband sein. Er müsste nicht mal Muslim sein."

Sergey Lagodinksy, Sprecher des Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokraten und Mitglied in der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin: "Henryk M. Broder ist der richtige Mann, um die Probleme des Zentralrats anzusprechen. Aber nicht, um sie zu lösen. Denn dafür braucht es jemanden, der sich mit den jüdischen Gemeinden auskennt. Die Hauptaufgabe des Zentralrats ist es, die sozialen Standards für die jüdischen Menschen zu sichern und ein Gefühl der Gemeinschaft zu erzeugen." (Tsp)

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