Politik : Mifegyne: Ministerinnen bedauern Aus für Abtreibungspille

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) und Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) bedauern, dass der Vertrieb der Abtreibungspille Mifegyne zum Jahresende in Deutschland aus Kostengründen eingestellt werden soll. Ein Sprecher Fischers sagte am Dienstag in Berlin, es handele sich um die Entscheidung einer Firma, auf deren Preisgestaltung das Ministerium keinen Einfluss habe. Fischer habe wiederholt den zuständigen Bewertungsausschuss der Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen darauf hingewiesen, dass die Ärzte über eine zu geringe Honoriereng für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch klagen. Es sei aber nichts geschehen, sagte der Sprecher. Bergmann sagte, Frauen müssten in Deutschland auch weiterhin wählen können, ob sie einen Schwangerschaftsabbruch durch einen chirurgischen Eingriff oder medikamentös durchführen lassen. "Deshalb ist es dringen erforderlich, dass der Bewertungsausschuss endlich seine Meinung revidiert und eine angemessene Vergütung für den medikamentösen Abbruch einführt." Dies sei nach ihrer Auffassung gemäß dem Schwangerenkonfliktgesetz geboten.

Das in Holzkirchen bei München ansässige Unternehmen Femagen hatte mitgeteilt, wegen der geringen Anzahl der Verordnungen habe der für Deutschland vorgeschriebene Sondervertriebsweg für die Abtreibungspille zu hohen Verlusten geführt. Um Missbrauch zu verhindern, darf Mifegyne nicht an Apotheken, sondern nur direkt an Ärzte und Kliniken ausgegeben werden.

Die FDP-Bundestagsfraktion, die schon vor einiger Zeit auf die Gefahr hingewiesen hatte, dass Mifegyne vom Markt verschwinden könnte, sprach am Dienstag vom einem Skandal. Die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warf Ministerin Fischer vor, sie trage die Verantwortung dafür, wenn Frauen in Deutschland ab Jahresende auf die schonendere Abtreibungsmethode verzichten müssen. Fischer habe sich hinter der Selbstverwaltung der Ärzte und kassenärztlichen Vereinigung versteckt. Auch die Grünen-Frauenpolitikerin Irmingard Schewe-Gerigk forderte eine kostendeckende Vergütung für die Ärzte und die Prüfung, ob Mifegyne über Apotheken bezogen werden kann.

Nach Angaben von Femagen aus dem Sommer waren zuletzt 500 bis 600 Packungen monatlich abgesetzt worden - weit weniger als die angepeilte Marge von 20 000 Packungen im Jahr. Ein Grund für die geringe Akzeptanz des Mittels bei den Ärzten sei die niedrige Honorierung im Vergleich zum chirurgischen Schwangerschaftsabbruch. Ein Arzt bekomme für einen chirurgischen Abbruch 450 bis 550 Mark, für eine medikamentöse Abtreibung aber nur 280 Mark, wovon 160 Mark auf die Arznei entfielen.

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