Migranten : Böhmer will Integrationskurse verstärken

Die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer ist nicht zufrieden. Sorgen bereitet ihr die Situation junger Migranten.

Katharina Kühn
Maria Böhmer
Maria BöhmerFoto: ddp

Berlin - Die Bemühungen seien groß, Erfolge sichtbar – doch „von Chancengleichheit kann keine Rede sein“: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer ist über die Situation der Migranten in Deutschland nach wie vor unzufrieden. Die CDU-Politikerin nannte die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit ausländischer Herkunft „dramatisch“. Die Unterschiede fingen bereits in der Schule an, so Böhmer am Mittwoch bei der Vorstellung des achten Berichts zur Lage der Ausländer in Deutschland. Zwar habe sich das Bildungsniveau der jungen Migranten erhöht, immer mehr erreichten mittlere Abschlüsse oder das Abitur. Doch noch immerhin 13,3 Prozent der 15- bis 19-Jährigen hätten 2008 die Schule ohne Abschluss verlassen, fast doppelt so viele wie bei den Jugendlichen, die nicht aus dem Ausland stammen.

Entscheidend über den schulischen Erfolg seien die Sprachkenntnisse und die Bildung der Eltern. Daher will Böhmer Integrationskurse nun verstärkt durchführen. Das Innenministerium habe ihr dafür bereits ein um 15 Millionen Euro erhöhtes Budget zugesichert.

Nach der Schule sähen sich die Jugendlichen mit Migrationshintergrund ebenfalls mit Problemen konfrontiert: Während jeder zweite Jugendliche ohne Migrationshintergrund nach drei Monaten einen Ausbildungsplatz finde, bräuchten Migranten dafür 17 Monate. Auf dem Arbeitsmarkt setze sich der Trend fort: 12,4 Prozent der Migranten waren 2008 arbeitslos, aber nur 6,5 Prozent der Deutschen ohne ausländische Wurzeln.

Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening (Grüne) wies darauf hin, dass die Ergebnisse in Berlin in vielen Bildungsbereichen besser seien als in ganz Deutschland. So sei der Anteil der jungen Migranten mit Abiturabschluss in Berlin mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt, der Anteil der Schüler mit Hauptschulabschluss um fast zehn Prozent geringer.

Die Anstrengungen für eine gelungene Integration müssten noch verstärkt werden, so Böhmer. Dafür forderte sie ein verpflichtendes, beitragsfreies letztes Kindergartenjahr und mehr Lehrer mit Migrationserfahrung in den Schulen. Für die besser Zusammenarbeit von Bund und Ländern hinsichtlich der Bildungschancen von Migranten will Böhmer eine Arbeitsgruppe bilden.

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