Mikrofon-Panne : Privates Gespräch zwischen Obama und Medwedew aufgezeichnet

Wegen einer technischen Panne hörte die ganze Welt, worüber sich Barack Obama und Dmitri Medwedew unterhalten haben.

von
Herzliche Begegnung beim Atomgipfel in Seoul. Nach der Wahl sieht Barack Obama (hinten) mehr Möglichkeiten, russischen Wünschen bei der Raketenabwehr entgegenzukommen. Foto: dapd
Herzliche Begegnung beim Atomgipfel in Seoul. Nach der Wahl sieht Barack Obama (hinten) mehr Möglichkeiten, russischen Wünschen...Foto: dapd

Eigentlich waren die Worte des amerikanischen Präsidenten nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Wegen einer Mikrofon-Panne hörte aber die ganze Welt zu. „Wir können alle Fragen lösen, speziell die Raketenabwehr. Aber es ist wichtig, dass Sie mir Spielraum lassen“, hört man Barack Obama sagen. „Ich verstehe“, antwortet Dmitri Medwedew. „Ich verstehe Ihre Botschaft in Sachen Spielraum.“ Obama fährt fort: „Dies ist meine letzte Wahl, danach werde ich mehr Flexibilität haben.“ Medwedew: „Ich verstehe. Ich werde die Botschaft an Wladimir weitergeben.“ Die Reaktionen in den USA sind unterschiedlich. Manche Medien bewerten den Wortwechsel als „Geheimbotschaft“ an den neuen Präsidenten Wladimir Putin. Andere meinen, dies sei einer der seltenen Momente, in denen die Öffentlichkeit erfahre, wie Spitzenpolitik untereinander reden. Die „New York Times“ hebt hervor, Obama sei offenbar zuversichtlich, dass er wiedergewählt werde.

Dabei hat Obama beim Treffen mit Medwedew beim Atomgipfel in Seoul eine Bemerkung gemacht, die inhaltlich kein Geheimnis darstellt: Im Wahljahr 2012 sei seine außenpolitische Handlungsfreiheit eingeschränkt. Nach der Wiederwahl im November werde er bei umstrittenen Themen wie der Raketenabwehr flexibler agieren können. Die speziellen Umstände machen die Aussage dennoch zu einem Politikum.

Nun werfen die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Obama vor, er verfolge eine Geheimagenda gegenüber Russland und sage dem amerikanischen Volk nicht offen, was seine wahren Absichten seien. Obama wies die Vorhaltungen zurück. „Rüstungskontrolle ist außerordentlich komplex“, sagte er später. Das „Wall Street Journal“ erinnert an andere Fälle, in denen interne Wortwechsel durch Pannen an die Öffentlichkeit kamen. 1984 hatte Ronald Reagan die Sowjetunion bei einer Mikrofonprobe scherzhaft „vogelfrei“ genannt und hinzugefügt: „In fünf Minuten beginnen wir mit der Bombardierung.“ 2010 beschwerte sich der britische Premier Gordon Brown nach einer Wahlkampfbegegnung mit einer Einwanderungsgegnerin über „diese scheinheilige Frau“. 2011 fing ein Mikrofon den Ausbruch des französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy über den israelischen Premier Benjamin Netanjahu auf: „Ich kann ihn nicht ausstehen. Er ist ein Lügner.“

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben