Militär : Russen verlassen georgisches Kernland

Russland hat nach dem Waffenstillstand im Kaukasuskonflikt seine letzten Soldaten aus Westgeorgien - wie mit der EU-Spitze vereinbart - abgezogen. Zugleich ließ der russische Präsident Medwedew wenig schmeichelhafte Worte über den georgischen Kollegen Saakaschwili verlauten.

Russland Georgien Abzug
Auszug aus Georgien. Russische Panzer auf dem Weg nach Hause. -Foto: dpa

Moskau/TiflisDie letzten fünf russischen Kontrollposten in Georgien zwischen der Schwarzmeerstadt Poti und dem Ort Senaki sind am Samstag geräumt worden. Auch das Innenministerium in Tiflis hat den Abzug mittlerweile bestätigt. Das russische Staatsfernsehen hatte zuvor den Abbau der Verteidigungsanlagen gezeigt. Konvois aus russischen Lastwagen und gepanzerten Transportfahrzeugen verließen seit dem Morgen ihre Stellungen in Richtung der abtrünnigen Provinz Abchasien. In den von Moskau sogenannten Pufferzonen vor den Provinzen Abchasien und Südossetien bleiben weiterhin russische Soldaten stationiert. Diese sollen laut dem Medwedew-Sarkozy-Plan bis zum 10. Oktober abziehen.

"Dies beweist, dass sich die russische Seite streng an die Vereinbarungen hält", sagte Moskaus Außenamtssprecher Andrej Nesterenko der Agentur Interfax zufolge. Kremlchef Dmitri Medwedew und der EU-Ratspräsident, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, hatten den Truppenrückzug am 8. September in einem konkretisierten Friedensplan in Moskau festgelegt. Demnach sollten die russischen Soldaten die Orte in Westgeorgien bis zu diesem Montag verlassen.

Medwedew über Saakaschwili: "Ein Mensch, der narkotische Mittel einnimmt"

Unterdessen warnte Medwedew den Westen und insbesondere die Nato erneut vor dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili. An der Spitze Georgiens stehe "ein Mensch, der absolut unberechenbar ist und sich leider in einem psychischen Ungleichgewicht befindet". Das sagte Medwedew laut einer vom Kreml veröffentlichten Aufzeichnung eines Gesprächs mit internationalen Experten. "Wenn unsere Kollegen in der Nato einen solchen Führer aufnehmen wollen, nur zu", sagte Medwedew laut dem auf der Internetseite des Kremls veröffentlichten Text.

Medwedew nannte den georgischen Staatschef bei dem Expertentreffen am Freitag, "einen Menschen, der eine Menge Krankheiten hat, und, Sie entschuldigen bitte, aber der auch narkotische Mittel einnimmt". Für Russland wären die prowestlichen Tendenzen in Georgien nach Angaben von Medwedew einfacher zu ertragen, wenn dort  "ausgewogene und vernünftige" Politiker regieren würden. Medwedew hatte Saakaschwili zuvor bereits als "politische Leiche" bezeichnet.

Der Nato-Rat trifft an diesem Montag mit der georgischen Führung in Tiflis zusammen, um dort ein Zeichen gegen den russischen Einmarsch in Georgien während des Kaukasuskriegs im August zu setzen. Die EU-Außenminister wollen die Entsendung von 200 Beobachtern nach Georgien beschließen. Die EU-Beobachter sollen nach russischem Willen in Georgien künftig für Sicherheit sorgen. US-Vizepräsident Richard Cheney hatte Saakaschwili unlängst in Tiflis als einen "standfesten Freund der USA" bezeichnet und ihm Washingtons Unterstützung zugesichert. Eine rasche Aufnahme Georgiens in die Nato wird aber nicht erwartet. (mpr/dpa/AFP)

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