Militäraktion : Aktivisten: Wir wurden gekidnappt

Nach ihrer Freilassung aus israelischer Gefangenschaft haben Politiker der Linkspartei schwere Vorwürfe erhoben. Sie bestreiten Israels Darstellung.

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Berlin - Nach ihrer Freilassung aus israelischer Gefangenschaft haben Politiker der Linkspartei schwere Vorwürfe erhoben. „Das war kein Akt der Selbstverteidigung. Das war ein Kriegsverbrechen“, sagte der frühere Bundestagsabgeordnete Norman Paech bei einer Pressekonferenz nach seiner Rückkehr nach Deutschland. Die Abgeordnete Inge Höger sagte: „Wir haben uns wie im Krieg und gekidnappt gefühlt.“ Ihre Kollegin Annette Groth sprach von einem „barbarischen Akt“.

Die drei Linken-Politiker gehören zu einer Gruppe von deutschen Gazaaktivisten, die gemeinsam mit rund 700 weiteren Menschen aus verschiedenen Nationen mit einem Schiffskonvoi Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollten. In der Nacht zum Montag wurden die Schiffe von israelischen Soldaten gestoppt. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Die Linken-Politiker stellten die von Israel offiziell genannte Zahl von neun getöteten Aktivisten infrage und sprachen von bis zu 18 Opfern sowie 25 vermissten Personen.

Höger kritisierte, der Einsatz der israelischen Marinesoldaten habe ebenso gegen jedes Völkerrecht verstoßen wie die Blockade des Gazastreifens. Die Aktivisten hätten friedlich Hilfsgüter liefern wollen. „Keiner hatte eine Waffe“, sagte sie. Auch Paech widersprach der israelischen Darstellung, dass die Soldaten von Aktivisten angegriffen worden seien. Er persönlich habe „zwei oder drei Holzstöcke“ gesehen, mit denen sich Aktivisten verteidigt hätten, aber keine Messer oder Äxte, sagte er.

Nach Darstellung des 72-jährigen begann der Überfall des israelischen Kommandos am Montagmorgen gegen 4.30 Uhr. „Wir hörten Einschläge, Explosionen und ein Splittern“, berichtet er. Die Soldaten, die sich in Schlauchbooten genähert und von Hubschraubern abgeseilt hätten, seien maskiert und schwer bewaffnet gewesen. Höger sagte, nach der Besetzung durch das israelische Militär seien sie zunächst „gefilzt“ und dann „gefesselt“ worden. Es sei ihr klar gewesen, dass es sich um „keine einfache Schiffsreise“ handele. Durch ihre Anwesenheit hätten sie als Abgeordnete das Schiff schützen wollen. „Mit dieser Brutalität haben wir nicht gerechnet.“

Die drei Linken-Politiker waren am Dienstagabend im israelischen Hafen Aschdod freigelassen worden, gemeinsam mit zwei weiteren Deutschen, dem Arzt Matthias Jochheim sowie Nader al Sakka von der Palästinensischen Gemeinde Deutschland. Fünf weitere Deutsche sind weiter in israelischer Haft. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Dienstag mitteilte, sitzen sie im Gefängnis Beerscheba, im Süden des Landes, ein. Die Häftlinge würden von der deutschen Botschaft in Tel Aviv betreut. Paech äußerte die Vermutung, dass auch ein Journalist, der für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ arbeitet, in Beerscheba festgehalten wird.

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