Politik : Militäraktion auf Jolo: Die Armee gesteht den Tod von vier Zivilisten ein

Bei der Militäroffensive gegen die moslemischen Geiselnehmer auf der Philippineninsel Jolo sind nach Regierungsangaben aus Manila vier Zivilisten getötet worden. Verteidigungsminister Orlando Mercado sagte am Montag, die Angriffe auf die Geiselnehmer der Separatistenorganisation Abu Sayyaf würden fortgesetzt. Nähere Angaben zu den Opfern machte er nicht. Eine Waffenruhe und weitere Verhandlungen lehnte die Regierung ab. Die philippinische Regierung will Erste-Hilfe-Teams in die Region der Insel Jolo entsenden. Die Mediziner sollten sich auf der Nachbarinsel Mindanao bereithalten, um verletzte Zivilisten zu versorgen, erklärte das Präsidialamt in Manila am Montag.

Von den 19 Geiseln der Abu Sayyaf, darunter auch ein Amerikaner und zwei Franzosen, fehlt offenbar jede Spur. Die Regierung hatte zuvor erklärt, alle Geiseln seien am Leben. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, haben die Rebellen ihre Geiseln in verschiedenen Höhlen in den Bergen der Insel versteckt. Er glaube nicht, dass die Rebellen den Geiseln - zwei Franzosen, ein Amerikaner, drei Malaysier und 13 Philippiner - etwas antun werden. Sie würden auf dem Rückzug der Rebellen als "menschliche Schutzschilde gebraucht", sagte der Polizist. Französische Regierungsvertreter sagten, zum Schicksal der beiden verschleppten Journalisten gebe es keine Informationen. Der Fernsehsender France-2, für den die beiden Männer arbeiten, teilte indes mit, sie seien mit den anderen Geiseln zu einem Berg im Zentrum von Jolo verschleppt worden.

Die philippinische Armee hatte am Sonnabend überraschend eine Offensive gegen die Rebellen gestartet. Am Sonntag sagte General Angelo Reyes, die Rebellen seien auf der Flucht. Allen Geiseln gehe es gut. Bei dem Militärschlag seien sechs Rebellen getötet und 20 gefangen genommen worden. Auch vier Soldaten seien verletzt worden. Die französische Regierung hat das militärische Vorgehen scharf verurteilt. Bewohner Jolos berichteten, die Küstengebiete der Insel seien Montag früh vom Meer aus unter Beschuss genommen worden. Damit sollten die Rebellen offenbar an der Flucht von Jolo gehindert werden. Im Inneren der Insel würden die Angriffe mit Mörsergranaten fortgesetzt. Ein Augenzeuge berichtete, etwa 30 Häuser seien zerstört und zahlreiche Inselbewohner - darunter auch Kinder - getötet worden. Die Ehefrauen von zwei der malaysischen Verschleppten forderten den philippinischen Präsidenten Joseph Estrada auf, die Offensive zu stoppen.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben