Militärallianz : Rasmussen rückt an die Nato-Spitze

Wechsel an der Spitze des mächtigsten Militärbündnisses der Welt: Der Däne Anders Fogh Rasmussen übernimmt das Amt des Nato-Generalsekretärs.

BrüsselAm Samstag wird Rasmussen (56) Jaap de Hoop Scheffer (61) ablösen. Der Niederländer hatte den Posten seit Januar 2004 inne. Seitdem ist das Nordatlantische Verteidigungsbündnis von 19 auf 28 Mitglieder angewachsen. Nicht alle Nato-Mitglieder werden die Entscheidung gerne mittragen.

Zu den wichtigsten Herausforderungen für den früheren dänischen Regierungschef zählen der Krieg in Afghanistan, der Kampf gegen die Seeräuberei vor dem Horn von Afrika und der Konflikt mit Russland um den von Georgien und der Ukraine angestrebten Nato-Beitritt der beiden ehemaligen Sowjetrepubliken.

Erster Arbeitstag des Rechtsliberalen im Nato-Hauptquartier in Brüssel ist diesen Montag. Am Dienstag wird er erstmals ein Treffen des Nordatlantikrats leiten. Während seiner Amtszeit als Regierungschef stand ganz oben auf seiner Liste die Durchsetzung einer "harten, aber fairen Ausländerpolitik". Mit Unterstützung der ausländerfeindlichen Rechtspopulisten von der DVP gewann Rasmussen drei Wahlen in Folgen. Und Dänemark erhielt die härtesten Zuwanderungsregeln in Westeuropa, geprägt von einer anti-islamischen Grundstimmung, wie sie etwa in Deutschland kaum vorstellbar wäre.

Kurz vor den weltweiten Protesten vom Muslimen Anfang 2006 gegen die Mohammed-Karikaturen in Jyllands-Posten wies Rasmussen eine Gesprächsbitte von Botschaftern aus islamischen Ländern brüsk ab. Erst als dänische Vertretungen in der arabischen Welt brannten, rang er sich zu einer halbherzigen Erklärung durch, wonach er selbst niemals die religiösen Gefühle von Menschen verletzen würde.

Dies und Rasmussens in Dänemark gern bespöttelte Rolle als treuer Gefolgsmann von Ex-Präsident George W. Bush beim Krieg gegen den Irak gelten nicht unbedingt als Startkapital für den neuen Nato-Job. Muss der Brüsseler Generalsekretär doch möglicherweise auch Mittel und Wege zu Kompromissen mit den Taliban in Afghanistan finden.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, sp

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