Politik : Militärchef der PKK unter den Opfern?

Ankara - Die türkische Luftwaffe hat bei ihren Angriffen im Nordirak möglicherweise einen ranghohen Militärchef der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) getötet. Türkische Tageszeitungen berichteten am Montag, Murat Karayilan, ein enger Vertrauter des inhaftierten PKK-Chefs Öcalan, habe sich in einem der Stützpunkte der verbotenen Untergrundorganisation aufgehalten, die die türkischen Bomber in der Nacht zum Sonntag angriffen. Nach Angaben der PKK-treuen Nachrichtenagentur Firat kamen dabei sieben Menschen ums Leben, unter ihnen zwei Zivilisten. Möglicherweise starb auch Karayilans Stellvertreter Behroz Erdal. Medienberichten zufolge wurde das Hauptquartier der PKK in Kandil nahe der iranischen Grenze vollkommen zerstört.

Der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit sagte, die US-Streitkräfte im Irak hätten den Luftraum für die türkischen Kampfflugzeuge geöffnet und den Angriff mit Geheimdienstinformationen unterstützt. Die BBC berichtete auf ihrer Website, Washington habe Meldungen über sein Einverständnis dementiert. Ein US-Diplomat sagte demnach, die Armee sei lediglich vorab informiert gewesen.

Im Gegensatz zum türkischen Generalstabschef sprach Iraks Außenminister Hoschjar Sebari von zivilen Opfern, nannte aber keine Zahlen. Anwohner berichteten von Angriffen auf mehrere Dörfer; Dutzende Häuser und ein neues Schulgebäude seien zerstört worden. „Eine derartige Aktion muss mit der irakischen Regierung koordiniert werden“, forderte Sebari. Das Parlament verurteilte die Offensive in einer Erklärung als „gewaltsamen Angriff gegen die Souveränität des Irak und das Prinzip guter Nachbarschaft“.

Die EU rief Ankara zur Mäßigung auf. „Die Türkei sollte auch weiterhin unverhältnismäßiges militärisches Handeln vermeiden“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Montag. Die EU habe aber „Verständnis für die Notwendigkeit der Türkei, die eigenen Bürger zu schützen“. Die Vizesprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin, Julia Gross, warnte vor einer weiteren Destabilisierung der Region. AFP/dpa

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