Militärgegner : Proteste nach Spott-Plakat über tote Bundeswehrsoldaten

Eine bizarre Antikriegskampagne im Internet hat einen Sturm der Empörung ausgelöst. Die Abbildung des Sarges eines getöteten Soldaten zieren die Worte: "Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren."

Bamm
Corpus Delicti. Umstrittener Aufruf zur Abrüstung. -Foto: Bamm

Berlin Ein Plakat von Militärgegnern im Internet zum Tod eines Bundeswehrsoldaten hat unter Politikern und Friedensaktivisten Empörung ausgelöst. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung: "Das ist geschmacklos und verantwortungslos. Es ist ein Schlag ins Gesicht unserer Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit Deutschlands einsetzen." Zuletzt starb in der vorigen Woche ein Hauptfeldwebel im Afghanistan-Einsatz.

Das Plakat ist bereits seit fünf Jahren im Internet zu sehen. Es zeigt drei Soldaten, die neben einem Sarg gehen. Die Überschrift lautet: "Schritt zur Abrüstung - Wieder einer weniger." Darunter dann der Satz: "Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren."

Die Verantwortlichen laut "Bild": der Landesverband Berlin-Brandenburg der Organisation Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und das "Büro für antimilitaristische Maßnahmen" (Bamm).

Der Bundessprecherkreis der DFG-VK distanzierte sich aber sogleich von dem Plakat: "Der Zynismus des Plakates ist für uns schwer erträglich. Unser humanistisches Weltbild verbietet uns die Genugtuung über den Tod eines jeden Menschen auch in Form einer satirischen Darstellung", erklärte ein Sprecher. Er verwies darauf, dass die Zusammenarbeit von Bamm und dem DFG-VK-Landesverband dessen alleinige Entscheidung sei.

"Zynisch, dumm und schädlich"

Auch die Organisation Bundesausschuss Friedensratschlag nannte das "zynisch, dumm und schädlich". Sich über den Tod von Soldaten zu freuen, sei menschenverachtend. "Der Einsatz von Soldaten in einem Krieg, den man ablehnt und sogar für ein Völkerrechts-Verbrechen hält, rechtfertigt unter keinen Umständen, dem einzelnen Soldaten den Tod zu wünschen."

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, sagte dem Fernsehsender N24, ihn erinnere das Plakat an die Parole, Soldaten seien Mörder. Wieder werde unter dem Deckmantel der Satire "indirekt gesagt, jeder tote Soldat ist ein guter Soldat". Formal sei das ein Fall für den Verfassungsschutz. Wichtiger noch sei aber "eine breite Ablehnungsfront" in der Gesellschaft. Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) sagte dem Sender, wer solche Plakate herstelle, karikiere nicht die Soldaten, sondern entwürdige sie.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, das Plakat sei eine Schande. In den Reihen des DFG-VK seien auch Mitglieder der Linken. Der Linke-Bundestagsabgeordnete Paul Schäfer betonte, seine Partei lehne entschieden ab, "in zynischer und menschenverachtender Weise Genugtuung über den Tod von Bundeswehrsoldaten zu äußern". Es sei weder pazifistisch noch links, den Tod von Menschen zu bejubeln, weil sie auf der vermeintlich falschen Seite stünden. Die Kritik der Linken an Bundeswehreinsätzen wie in Afghanistan richte sich gegen die Auftraggeber in Parlament und Regierung. (mpr/dpa)

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