Militärische  Analyse : „Irans Waffen bedrohen seine Nachbarn, nicht Israel“

Sicherheitsexperte Anthony Cordesman hält es für schwer einschätzbar, wann Teheran wirklich über eine Atombombe verfügen könnte.

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In Israel wird Netanjahu für diesen Auftritt vor der UN-Vollversammlung als "Bibi-Bumm" verspottet. Im Gegensatz zum israelischen Premier wollen sich Sicherheitsexperten nicht darauf festlegen, wie nah oder fern Iran einer Atombombe schon ist.
In Israel wird Netanjahu für diesen Auftritt vor der UN-Vollversammlung als "Bibi-Bumm" verspottet. Im Gegensatz zum israelischen...Foto: dapd

Anders als der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will sich der renommierte amerikanische Sicherheitsexperte Anthony Cordesman vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington nicht auf ein Zeitfenster festlegen, in dem der Iran in der Lage wäre, eine Atombombe zu bauen. Er gebe zu, dass der Iran „nahe daran sein könnte“, die dafür nötige Urananreicherung technisch zu bewältigen. Aber der Bau einer Bombe bleibe ein „äußerst komplexes Unternehmen“, es fehle „definitiv“ mengenmäßig an spaltbarem Material, betonte Cordesman am Freitag in Berlin. Wie weit der Iran bei der Entwicklung einer Atombombe sei, darüber wisse man wenig. Daher könnten sich Fachleute nicht auf einen Zeitraum festlegen. Cordesman, der früher im US-Verteidigungsministerium gearbeitet hat, sieht die Nachbarstaaten durch den Iran stärker bedroht als Israel. Der Iran habe sich militärisch letztendlich nie vom Krieg gegen den Irak erholt, seine Luftwaffe und seine Kapazitäten bei Langstreckenraketen seien schwach. Das Land investiere vor allem in Kurzstreckensysteme, welche seine Schlagkraft in der Region stärken. Israel ist nach Ansicht

Cordesmans zwar in der Lage, ohne Hilfe der USA Ziele im Iran anzugreifen. Allerdings glaubt er, dass Israels Schlagkraft beschränkt ist und daher das iranische Atomprogramm höchstens um zwei Jahre zurückwerfen könne, während ein Angriff gleichzeitig schwerwiegende Konsequenzen haben würde: Der Iran könnte aus dem Nichtverbreitungsvertrag austreten mit dem Argument, das Land müsse sich gegen Angriffe schützen. Interessanterweise glaubt Cordesman nicht, dass die von Deutschland gelieferten U-Boote der Dolphin-Klasse Israel die Zweitschlagskapazität im Falle eines Nuklearangriffs bieten: Da die U-Boote keine Erlaubnis zur Durchfahrt durch den ägyptischen Suezkanal erhielten, müssten sie den langen Weg um Afrika herum antreten, wollten sie vor den Küsten des Iran operieren. Doch in diesem Falle könnten sie nur leichte Waffensysteme an Bord haben, keine Waffen, die unterirdische Ziele knacken oder atomare Sprengkörper. Vorsichtig optimistisch ist Cordesman, weil die Iran-Sanktionen noch nie so effizient gewesen seien wie heute, wo die EU sich an die Spitze der Sanktionen gegen Finanzinstitutionen gesetzt habe. Böte man gleichzeitig „richtige Anreize“ wie die Hilfe beim Ausbau der Ölpipelines, „könnte das den Iran zu Verhandlungen drängen“.

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