Politik : Militärische Vergeltung: Bush: Wir befinden uns im Krieg

US-Präsident George W. Bush hat den islamischen Extremisten Osama bin Laden als den Hauptverdächtigen für die Terror-Anschläge auf die USA bezeichnet. "Wir werden die Täter finden, wir werden sie in ihren Löchern ausräuchern und wir werden sie vor Gericht bringen", sagte Bush vor einem Treffen mit seinen Sicherheitsberatern in Camp David. Bei dem Krisengespräch wollte der US-Präsident seine Antwort auf die Terroranschläge vorbereiten. In Deutschland bot die Union der Regierung indes eine enge Zusammenarbeit bis hin zu einem "Nationalen Sicherheitsrat" an.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Bin Laden erliege einem "sehr großen Irrtum", wenn er denke, er könne sich vor den USA und ihren Verbündeten verstecken. "Wir befinden uns im Krieg", sagte Bush. Er rief alle Soldaten auf, sich auf einen möglichen Angriff vorzubereiten. "Das amerikanische Volk muss Geduld haben, da der Konflikt nicht kurz sein wird", sagte Bush am Samstag bei seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Das Volk müsse zudem stark und entschlossen sein, da der anstehende Konflikt nicht einfach werde. "Diejenigen, die entschieden haben, gegen die USA Krieg zu führen, haben ihre eigene Zerstörung beschlossen", fügte er hinzu. Als wahrscheinlichstes Ziel der Vergeltung gilt Afghanistan, das den Terrroristenführer beherbergt. Der Nachbar Pakistan gab nach Medienberichten die Erlaubnis, eine multilaterale Streitmacht zu stationieren.

Nach dem Senat gab auch das Repräsentantenhaus Bush am Freitagabend freie Hand für eine militärische Vergeltung der Terroranschläge. Der Senat hatte zuvor einstimmig grünes Licht für die Anwendung "aller notwendigen angemessenen Gewalt" gegen die Terroristen und ihre Unterstützer gegeben. Bush hatte am Freitag den nationalen Notstand ausgerufen. Es war die Voraussetzung für eine Teilmobilisierung der militärischen Reserven, die sofort begann. Der Präsident begrüßte die einstimmig verabschiedete Resolution als Ausdruck der nationalen Einigkeit, gegen den Terror vorzugehen.

US-Außenminister Colin Powell deutete an, dass die USA das afghanische Taliban-Regime für die Unterstützung von bin Laden zur Verantwortung ziehen wollen. Indien übergab den USA detaillierte Karten und Informationen über Ausbildungslager des Terroristenführers in Afghanistan. Die Taliban drohten den Nachbarstaaten mit Angriffen, sollten diese den USA Land- oder Luftwege für Aktionen gegen Afghanistan zur Verfügung stellen. Außerdem forderten sie alle Ausländer auf, das Land zu verlassen. Die meisten Ausländer waren bereits vor Tagen abgereist. Auch der irakische Präsident Saddam Hussein warnte vor einem Angriff auf sein Land. Der russische Präsident Putin rief die USA zu Umsicht bei den geplanten Vergeltungsschlägen auf. Sie sollten "abgewogen" sein und "auf unwiderlegbaren Fakten basieren". Außenminister Iwanow kritisierte, dass die Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland im Kampf gegen den Terrorismus unzureichend sei.

In New York ging den US-Ermittlern der erste Verdächtige ins Netz, der an den Anschlägen beteiligt gewesen sein soll. Seine Identität gab das FBI vorerst nicht preis. Die Bundespolizei hatte zuvor eine Liste mit den Namen von 19 Hauptverdächtigen veröffentlicht, die die vier bei den Anschlägen eingesetzten Flugzeuge gekapert haben sollen. In Belgien wurden zwei Moslems nordafrikanischer Herkunft unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in Bin Ladens Gruppe festgenommen, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete. Nach Erkenntnissen der französischen Polizei war auch ein Anschlag auf die US-Botschaft in Paris geplant.

Den deutschen Behörden liegen offenbar trotz einer neuen Spur ins Ruhrgebiet noch keine entscheidenden Hinweise vor. Das bei zahlreichen Durchsuchungen gefundene Material habe "keine wesentlichen Beweismittel" zu Tage gefördert, sagte Generalbundesanwalt Kay Nehm am Samstag in Karlsruhe. Zugleich bestätigte Nehm Berichte, wonach sich einer der drei mutmaßlichen Terroristen aus Hamburg zeitweilig in Bochum aufgehalten hat.

Angesichts eines möglicherweise drohenden Militärschlags mit Nato-Beteiligung hat die Union der Regierung ihre Unterstützung zugesagt. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte: "Die Union ist zur Teilhabe bereit." Ausdrücklich regte er in der "Bild am Sonntag" auch die Zusammenarbeit in einem "Nationalen Sicherheitsrat" an. Wenn die Regierung bei den anstehenden Entscheidungen, die die Staatsräson betreffen, keine klare eigene Mehrheit zu Stande bringe, "wäre das ein verheerender Eindruck im Ausland", meinte Stoiber. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) kündigte unterdessen für nächste Woche Entscheidungen zur Beteiligung der Bundeswehr an einem Militäreinsatz an.

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