• Militärische Vergeltung: Zellen des Terrors. Die Vereinigten Staaten haben einen Feldzug angekündigt. Sie vermuten ihre Gegner in 34 Staaten

Politik : Militärische Vergeltung: Zellen des Terrors. Die Vereinigten Staaten haben einen Feldzug angekündigt. Sie vermuten ihre Gegner in 34 Staaten

Sally Buzbee

Dass die Vereinigten Staaten nach den Terroranschlägen von New York und Washington zurückschlagen, ist sicher. Unklar ist nur: wann, wo und und mit welchen Mitteln der angekündigte Feldzug gegen den Terrorismus geführt wird. Ein Angriffsziel liegt auf der Hand: die Berge Afghanistans, wo sich der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, Osama bin Laden, mit Duldung des Taliban-Regimes versteckt halten soll. Doch die Liste möglicher Ziele ist weitaus länger.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Bin Ladens Terrorzellen sollen auch in Algerien und Sudan aktiv sein. In Algerien wurden seit 1992 mehr als 100 000 Menschen Opfer des Kampfes radikaler Moslems gegen die Regierung. Die USA unterhalten diplomatische Beziehungen zu dem nordafrikanischen Land und haben sich des Öfteren um Zusammenarbeit mit der Regierung in Algier in Fragen des Nahostkonflikts bemüht.

Sudan wird von den USA seit langem beschuldigt, Förderer des internationalen Terrorismus zu sein. Diplomatische Kontakte zwischen Washington und dem islamistischen Regime in Khartum sind dagegen sehr spärlich.

Am 20. August 1998, 13 Tage nach den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania, griffen die USA eine pharmazeutische Fabrik in Khartum an. Später gab es aber Zweifel an der Richtigkeit des amerikanischen Vorwurfs, dass in der Fabrik Bestandteile chemischer Waffen hergestellt worden sein sollen.

Bin Laden hatte 1992 seiner Heimat Saudi-Arabien den Rücken gekehrt und sich in Sudan niedergelassen, in dem der Fundamentalist Hasan Turabi an der Macht war. Im größten Flächenstaat Afrikas nahm bin Ladens Organisation El Kaida ("Die Basis") Gestalt an. 1996 beugte sich Sudan internationalem Druck und bat bin Laden, das Land zu verlassen. Seitdem wird der mutmaßliche Terrorist in Afghanistan vermutet.

Auch Irak könnte ein mögliches Ziel sein, sollten sich die USA entschließen, nicht nur bin Ladens Terror-Netzwerk zu zerstören, sondern auch Länder treffen zu wollen, die den Terrorismus unterstützten, erklärte ein ranghoher US-Regierungsbeamter, der namentlich ungenannt bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP.

Auch Pakistan, Amerikas schwieriger Verbündeter, steht in dem Verdacht, dass sich entlang seiner größtenteils unkontrollierten Grenze zu Afghanistan Lager bin Ladens befinden. Die islamische Atommacht dürfte der komplizierteste und möglicherweise wichtigste Staat im Kampf Amerikas gegen den Terrorismus sein. Die USA haben Pakistan dem Vernehmen nach unter anderem aufgefordert, die 2500 Kilometer lange Grenze nach Afghanistan zu schließen und den USA ihren Luftraum für einen möglichen Militäreinsatz zur Verfügung zu stellen.

Die Regierung in Washington prüft außerdem Optionen, die den Einsatz von Luft-, See- und Landstreitkräften über einen längeren Zeitraum einschließen. Für die pakistanische Regierung wäre es aber äußerst schwierig, den USA öffentlich zu erlauben, Bodentruppen in dem Land zu stationieren oder von pakistanischem Territorium aus gegen bin Laden loszuschlagen, wie aus diplomatischen Kreisen verlautete. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf könnte sich in dem Fall mit erbittertem Widerstand islamischer Gruppen in Pakistan konfrontiert sehen.

Nach einem Bericht des US-Kongresses unterhält bin Landes Terrororganisation Zellen in vermutlich 34 Staaten. In dem am Donnerstag bekannt gewordenen Bericht heißt es, Zellen der Organisation bin Ladens seien in folgenden Staaten entweder festgestellt worden oder sie würden dort vermutet: Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Saudi-Arabien, Katar, Jemen, Jordanien, Ägypten, Libyen, Libanon, Algerien, Tunesien, Mauretanien, Sudan, Aserbaidschan, Usbekistan, Tadschikistan, Tschetschenien, Somalia, Eritrea, Kenia, Tansania, Uganda, Äthiopien, Malaysia, den Philippinen, Uruguay, Ecuador, Bosnien, Kosovo, Albanien, Großbritannien, aber auch in Kanada und in den USA.

In dem Bericht werden außerdem 19 nahöstliche Terrororganisationen aufgeführt. Der von bin Laden wird dabei als einziger "extrem hohe" Terroraktivität beigemessen. Die Aktivität zweier weiterer extremistischen Organisationen wurde als "sehr hoch" eingestuft: des palästinensischen Islamischen Dschihad und der palästinensischen Hamas.

Besonders prekär könnte die Situation für die USA werden, wenn sich herausstellt, dass die Spur von bin Ladens Terrorkommandos zu engen Verbündeten wie beispielsweise Ägypten führt. Dann wäre Washington "in einem echten Dilemma", erklärte Phil Coyle, ehemaliger ranghoher Planer im Pentagon.

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