Politik : Militärischer Erfolg für die Nordallianz

Ulrike Fokken

Die oppositionelle Nordallianz Afghanistans ist am Freitag in die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif vorgestoßen. Vertreter der Nordallianz erklärten, rund 2000 Soldaten seien unter dem Befehl des usbekischen Kriegsherrn Abdul Rashid Dostum in die Stadt vorgedrungen. Aus US-Kreisen wurde der Durchbruch bestätigt. Die Taliban gaben an, dass nach heftigem US-Bombardement Nordallianztruppen in südliche Teile der Stadt eingedrungen seien. US-Präsident George W. Bush sagte, die USA seien dabei, ihre militärischen Ziele zu erreichen.

Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen
Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus
Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Das US-Verteidigungsministerium nannte die jüngsten intensiven Kämpfe um Masar-i-Scharif "ermutigend", bestätigte die Einnahme der Stadt jedoch aus seinen eigenen Quellen zunächst nicht. "Es ist eine Menge Staub in der Luft. Es ist sehr schwierig zu sagen, was genau vor sich geht", sagte Admiral John Stufflebeem in Washington. "Was wir gesehen haben, ist ermutigend", sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke. Ein US-Beamter sagte, es gebe noch einige Gefechte, aber die Taliban verließen die Stadt scharenweise Richtung Kabul.

Nordallianzsprecher Aschraf Nadim sagte, die Truppen der Opposition hätten am Südrand der Stadt die Reihen der Taliban-Kämpfer durchbrochen und durchkämmten einen Stadtteil nach dem anderen. Die Nordallianz habe zudem den zivilen Flughafen eingenommen. Dostum sagte dem Fernsehsender CNN Turk, man habe die Stadt innerhalb einer halben Stunde überrannt. Dabei seien etwa 500 Kämpfer der Taliban und 28 der Nordallianz getötet worden.

Nach der Eroberung von Masar-i-Scharif könnten die USA und ihre Verbündeten die schlecht ausgerüsteten oppositionellen Truppen mit großen Mengen Munition, Panzern und anderen Gütern versorgen. Die amerikanische Luftwaffe bombardierte am Freitag auch das Gebiet nördlich von Kabul und griff Ziele in Kandahar an. Erstmals seit Tagen feuerte die Flugabwehr der Taliban wieder auf die US-Flugzeuge. Allein in der Nähe des inzwischen von der Nordallianz eroberten Flughafens Bagram soll es laut Augenzeugen rund 30 Bombeneinschläge gegeben haben. Die Nordallianz konnte den Flughafen bislang nicht nutzen, da die Taliban in der Nähe ihre Stellungen behaupten.

US-Präsident George W. Bush bezeichnete die weltweite Koalition gegen den Terrorismus als stark wie nie zuvor. "Wir sind dabei, unsere militärischen Ziele zu erreichen", sagte er bei einer Ansprache im Weißen Haus am Freitag. Zugleich sagte er, der Schutz vor künftigen Angriffen würde verstärkt. Unterdessen kündigte der niederländische Ministerpräsident Wim Kok an, dass die Niederlande mehr als 1000 Soldaten für den Kampf gegen den Terrorismus bereitstellen. In Pakistan kamen am Freitag bei schweren Zusammenstößen zwischen anti-amerikanischen Demonstranten und den Sicherheitskräften mindestens vier Menschen ums Leben. Nach Angaben der Taliban-nahen Partei "Jamiate Ulamai Islam" (JUI) wurden außerdem Dutzende von Menschen verletzt.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben