Militärpräsenz : Nato schickt mehr Soldaten nach Afghanistan

Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten haben eine Aufstockung ihrer Truppenpräsenz in Afghanistan beschlossen. Die Zunahme von Anschlägen der Taliban gibt Anlass zur Sorge.

BrüsselDie Nato erhöht ihre Militärpräsenz in Afghanistan und will zugleich mehr tun, um die Zahl der zivilen Opfer von Kampfhandlungen zu senken. Das beschlossen die Verteidigungsminister der 26 Nato-Staaten in Brüssel. Nato-Sprecher James Appathurai sagte, die Koordination zwischen der von der Nato geführten Schutztruppe Isaf, der von den USA geleiteten Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" (OEF) und der afghanischen Armee solle verbessert werden. Die Nato-Minister warfen den radikalislamischen Taliban vor, die Zivilbevölkerung absichtlich als "Schutzschild" zu benutzen.

Die Stärke der von insgesamt 37 Nationen gestellten Isaf wuchs nach Nato-Angaben von gut 36.000 auf nunmehr "etwa 40.000" Soldaten. Drei Staaten hätten eine Erhöhung ihrer Kontingente um jeweils mehrere Hundert Soldaten mitgeteilt. Sieben Länder kündigten die Entsendung von Ausbildern für die afghanischen Streitkräften an. Damit soll die Zahl der Ausbildungsteams von derzeit 20 erhöht werden. Allerdings werde man das Ziel von 46 Ausbildungsteams noch nicht erreichen. Vier Staaten kündigten dem Nato-Sprecher zufolge die Bereitstellung von unbemannten Aufklärungsdrohnen an. Nähere Angaben über die Staaten, die das Engagement in Afghanistan verstärkten, machte er nicht.

Rasant gestiegene Opferzahlen durch Anschläge der Taliban

"Es gab eine längere Diskussion über die zivilen Opfer und die Dringlichkeit, alles nur Mögliche zu tun, um diese Zahl zu verringern", sagte Appathurai über die Beratungen der Verteidigungsminister. "Erstens, weil das das Richtige ist, und zweitens, weil wir die große Unterstützung der afghanischen Bevölkerung für die internationalen Truppen aufrecht erhalten müssen." Bei militärischen Einsätzen - vor allem durch die von den USA in eigener Verantwortung betriebene Oef - sind in den vergangenen Monaten zahlreiche afghanische Zivilisten getötet worden.

Die Zahl der Ziviltoten durch Einsätze der Isaf sei jedoch "in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen", betonte Appathurai. Zugleich sei die Zahl der Toten durch die Taliban und durch deren improvisierte Sprengsätze "rasant angestiegen". Genaue Zahlen nannte er nicht. Die Koordinierung zwischen Isaf, Oef und afghanischer Armee sei in letzter Zeit deutlich besser geworden. Die festgelegten Prozeduren seien "angemessen": "Der Schlüssel liegt darin, sie voll und ganz anzuwenden." Die Taliban "und andere Gegner des demokratischen Prozesses" nutzte absichtlich Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" und agierten in Ballungszentren, um die Zivilbevölkerung "in Kämpfe hineinzuziehen".

Der afghanische Verteidigungsminister Abdel Rahim Wardak sprach von "guten Fortschritten" im Land. Es müsse alles getan werden, um die afghanische Armee so zu stärken, dass sie selbst die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen könne. Bisher hat die Nato rund 40.000 afghanische Soldaten ausgebildet, während die EU und andere Staaten etwa 60.000 Polizisten ausgebildet haben. (mit dpa)

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