Militärputsch in Mali : Soldaten stürzen Präsident Touré

Meuternde Soldaten haben im westafrikanischen Mali nach eigenen Angaben einen Staatsstreich gegen die Regierung verübt und Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt.

von
Amadou Toumani Toure ist nicht mehr Präsident von Mali. Das Militär hat die Regierung nach eigenen Angaben gestürzt.
Amadou Toumani Toure ist nicht mehr Präsident von Mali. Das Militär hat die Regierung nach eigenen Angaben gestürzt.Foto: Reuters

Wenige Länder in Afrika haben in den letzten Jahren eine solch positive Presse erhalten wie der Wüstenstaat Mali. Zusammen mit Ghana zählt die frühere französische Kolonie zu den wenigen wirklich demokratischen Ländern des Kontinents. Deshalb kommt es überraschend, dass nun die Militärs in dem Land mit 14,5 Millionen Einwohnern die Macht übernommen haben.
Anders als in den meisten anderen Staaten ist die Amtsperiode des Präsidenten in Mali auf nur zwei Amtszeiten beschränkt – und die Rolle der Opposition fest in der Verfassung verankert. Unter dem Staatschef Amadou Toumani Touré hat sich Mali als ein solch verlässlicher Partner erwiesen, dass die Amerikaner hier den Bau von Militärbasen im Kampf gegen den sich ausbreitendenTerrorismus in Nordafrika erwägen.
Umso besorgniserregender ist, dass nun auch diese letzte Insel der Stabilität zu kippen droht. Nachdem aufständische Truppen bereits am späten Mittwochabend die staatliche Radio- und Fernsehstation in der Hauptstadt Bamako übernommen hatten, verkündeten sie am Donnerstagmorgen die Übernahme des Staates. Zuvor hatten sie einen offenbar erfolgreichen Angriff auf den Präsidentenpalast unternommen. Offenbar wurden dabei auch mehrere Minister der Regierung festgenommen. Eine unabhängige Quelle bestätigte zudem, dass sich Präsident Touré nicht im Palast befunden habe und offenbar auf der Flucht sei. Nach Angaben seiner Anhänger hielt sich Touré auf einer Militärbasis in der Hauptstadt Bamako auf. Gleichzeitig wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt und eine strikte Ausgangssperre verhängt. Die meuternden Soldaten erklärten zudem die Landesgrenzen für geschlossen.

Begründet wurde der Putsch mit der „Unfähigkeit“ der malischen Regierung, die jüngste Revolte der Tuareg im Nordosten des Landes niederzuschlagen und die reguläre Armee dafür mit genügend Waffen zu versorgen.
Sowohl der Putsch als auch die jüngste Rebellion der Tuareg sind eine Spätfolge des Krieges in Libyen. So sind nach dem Sturz des dortigen Gaddafi-Regimes bis zu 2000 malische Tuareg in ihre Heimat zurückgekehrt, die zuvor in den Diensten des libyschen Diktators gestanden hatten. Gaddafi hatte die hellhäutigen Tuareg 2008 im Anschluss an deren letzte Revolte in Mali in seine Armee integriert. Nach malischen Angaben bedienten sich die Tuareg-Söldner nach dem Sturz Gaddafis an dessen Waffenarsenal und kehrten im Oktober schwer bewaffnet auf Pritschenwagen mit darauf montierten Maschinengewehren in ihre Heimat zurück. Neben Stalinorgeln und Minenwerfern sollen sie auch über Boden-Boden- und sogar Boden-Luft-Raketen verfügen.
Die nur auf rund 7000 Soldaten geschätzte und nur schwach bewaffnete malische Armee moniert seit längerem die Nachgiebigkeit ihrer Regierung gegenüber den Tuareg-Rebellen und lehnt auch mögliche Verhandlungen mit ihnen ab. Präsident Touré hatte den Tuareg nach der Rückkehr ihrer Kämpfer aus Libyen weitreichende Zugeständnisse in Aussicht gestellt, darunter eine weit gehende Autonomie auf Provinzebene.
Allerdings hatten die Rebellen all diese Konzessionen abgelehnt. Stattdessen haben die Tuareg in den letzten Monaten die malische Armee aus mehreren Orten im Norden des Landes verdrängt. Mitte März eroberten sie auch die strategisch wichtige Militärbasis Tessalit.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben