Politik : Militärschlag gegen Irak

WASHINGTON (AP/M.G.).Die USA haben am Mittwoch, unterstützt von britischen Flugzeugen, Luftangriffe gegen Irak begonne.Mit den "starken und anhaltenden" Attacken solle Irak dafür bestraft werden, daß es nicht mit der UN-Kommission zur Abrüstung Iraks zusammenarbeite, sagte US-Präsident Clinton in einer Fernsehrede.UNSCOM-Chef Butler hatte die mangelnde Kooperation Bagdads mit den Waffeninspekteuren beklagt.Während des Tages hatten alle 140 UNSCOM-Kontrolleure Bagdad verlassen.Um 22 Uhr 50 MEZ berichtete der TV-Sender CNN aus Bagdad schon über erste Einschläge.Die USA hatten am abend im Weltsicherheitsrat bekräftigt, daß sie für einen Angriff keinen besonderen Beschluß durch das Gremium für nötig halten.

Die erste Serie von Einschlägen wurde im Zentrum von Bagdad gegen 0 Uhr 50 Ortszeit (22 Uhr 50 MEZ) vernommen.Die Explosionen dauerten etwa vier Minuten an.Zehn Minuten später folgte die zweite Angriffswelle.Der Himmel über Bagdad war von Luftabwehrfeuer erhellt.Die Militäraktion lief unter dem Codenamen "Wüstenfuchs" (Desert Fox).Der amerikanische Luftangriff wurde von britischen Flugzeugen unterstützt.Dies teilte am Mittwoch abend der britische Premierminister Tony Blair in London mit.

Präsident Bill Clinton sagte in einer Ansprache aus dem Oval Office des Weißen Hauses, Bagdad dürfe es nicht möglich gemacht werden, seine Nachbarn oder die Welt mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen zu bedrohen.Saddam Hussein habe die letzte Chance nicht genutzt, mit den UN-Waffenkontrolleuren zusammenzuarbeiten, sondern diesen sogar neue Restriktionen auferlegt.US-Verteidigungsminister Cohen sagte, die Angriffe würden so lange "wie nötig" fortgesetzt.Trent Lott, der republikanische Oppositionsführer, kritisierte die Entscheidung des Präsidenten, Irak anzugreifen.

Die israelischen Streitkräfte sind nach dem Luftangriff auf Irak in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden.Verteidigungsminister Jizchak Mordechai teilte am Mittwoch abend mit: "Wir haben unsere Kräfte in Bereitschaft versetzt und werden heute nacht beschließen, welche Schritte zu ergreifen sind."

Über das Arsenal chemischer und biologischer Massenvernichtungswaffen des Irak gibt es weit mehr alarmierende Politikeräußerungen (und irakische Dementis) als konkrete Informationen.Bagdad könne "die Weltbevölkerung drei Mal auslöschen", sagte der britische Premierminister Tony Blair schon im Februar, als Großbritannien gemeinsam mit den USA Militärschläge gegen den Irak vorbereitete.Die Inspektionen der UN-Abrüstungskommission UNSCOM kamen in diesem Jahr nur noch kümmerlich oder überhaupt nicht mehr voran.Ihr Chef Richard Butler hatte in seinen Berichten an den Weltsicherheitsrat immer wieder von "möglichen" Potentialen des Irak gesprochen.

Die Bundesregierung in Bonn hat bedauert, daß es im Irak zur Anwendung militärischer Gewalt gekommen ist.Die irakische Führung sei jedoch gewarnt gewesen, sagte Regierungssprecher Uwe-Carsten Heye am Mittwoch abend in Bonn.Sie habe davon ausgehen müssen, daß im Falle "fortgesetzter unvollständiger Zusammenarbeit" mit den UN-Inspekteuren "die Staatengemeinschaft nicht tatenlos zusehen konnte".Die Bundesregierung hoffe, daß die militärischen Aktionen so schnell wie möglich beendet werden können.

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