Politik : Militärschlag: Pakistan: Tage der Taliban sind gezählt

Die Spekulationen um einen US-Militärschlag gegen Afghanistan haben am Montag neue Nahrung bekommen. Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharaf erklärte, er gehe von einem baldigen Angriff aus. Offenbar seien die Tage des Taliban-Regimes in Kabul gezählt, sagte er der BBC. Pakistan habe dies den Taliban mitgeteilt. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar beschwichtigte die Bevölkerung. Die Amerikaner hätten nicht den Mut für einen solchen Angriff, sagte er im staatlichen Rundfunk. Die Taliban seien in die Terroranschläge vom 11. September in New York und Washington nicht verwickelt.

Vertreter der afghanischen Opposition einigten sich am Montag auf erste Schritte zur Bildung einer Regierung nach dem Sturz der Taliban. Wie Mitarbeiter des afghanischen Ex-Königs Mohammed Sahir Schah in Rom mitteilten, wurde die Schaffung eines "Obersten Rates der Nationalen Einheit" vereinbart. Dieser könnte dann den traditionellen Ältestenrat einberufen, der wiederum einen Staatschef und eine Übergangsregierung wählen soll. Offenbar als Reaktion auf das Bündnis kündigten die Taliban an, dass sie auf einen Teil ihrer bislang absoluten Macht verzichten wollen. In drei Provinzen an der Grenze zu Pakistan sollen Ältestenräte "in den Regierungsprozess eingebunden" werden.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Nach einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian" haben FBI-Ermittler inzwischen einen Nachweis für die Verbindung zwischen dem mutmaßlichen Attentäter Mohamed Atta, der am 11. September eines der Flugzeuge in das World Trade Center gesteuert haben soll, und der Organisation von bin Laden geliefert. Im September, so der "Guardian", habe ein Vertrauter bin Ladens von einem Konto in Dubai 500 000 Dollar an Mohammed Atta in Florida überwiesen. Bei dem Vertrauten handele es sich um Scheich Said, der bin Ladens Finanzen während dessen Aufenthalt in Sudan verwaltet haben soll.

Unterdessen bestätigte die Bundesanwaltschaft, dass inzwischen mehr als zehn FBI-Beamte in Deutschland eingetroffen sind und mit der 350-köpfigen BKA-Gruppe zusammenarbeiten. Vor einem möglichen Vergeltungsschlag gegen die Terroristen läuft die Diplomatie unter den Nato-Partnern auf Hochtouren. Bundesaußenminister Joschka Fischer traf am Montag in Berlin seine Kollegen aus der Türkei und Griechenland, Ismail Cem und Georgios Papandreou, zu getrennten Gesprächen.

Berlin steht zu den Solidaritätszusagen an die USA und lehnt einen "Ablasshandel" entschieden ab. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wie Grünen-Chefin Claudia Roth wiesen am Montag Spekulationen über eine nur finanzielle Beteiligung Deutschlands an militärischen Schlägen der USA gegen die Drahtzieher der Anschläge zurück.

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