Politik : Militante Siedler müssen Abschied von Groß-Israel nehmen (Kommentar)

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Ehud Barak meint es ernst. Nach Ablauf der hunderttägigen Schonfrist will Israels neuer Premier friedensbehindernde Siedlungs-Außenposten räumen lassen. Er hat auch seine Bereitschaft erklärt, für Frieden mit Syrien einen hohen territorialen Preis zu zahlen, die Golan-Höhen. Die militanten Siedler und ihre nationalistischen Gesinnungsfreunde organisieren den Widerstand, wählen neue radikalere Anführer, holen fundamentalistische Rabbinersprüche ein, diskutieren über gewaltsame Opposition. Mit dem Osloer Abkommen mussten sie vom Traum eines Groß-Israel, des biblischen Erez Israel, Abschied nehmen. Jetzt müssen sie auch die letzte Hoffnung darauf begraben. Judäa und Samaria, das Westjordanland also, werden schon bald - und für alle Zeiten - nicht mehr zu Israel gehören, sondern zum arabischen Staat Palästina. Barak hat sich nicht nur mit dessen Gründung abgefunden, sondern jetzt auch dessen wirtschaftliche Grundlage skizziert: Unaufgefordert räumte er den Palästinensern das Recht auf eine eigene Währung ein und legte fest, dass die Palästinenser sich in ihrem eigenen Gebiet ernähren müssen. Nach drei Jahren werde es keine palästinensischen Tagelöhner mehr in Israel geben, stattdessen eine strikte Trennung der beiden Völker. Das aber ist unvereinbar mit der Existenz der fast 150 Siedlungen im Gazastreifen und in der Westbank. Die Siedler haben das sofort erkannt. Deshalb ihre scharfe Reaktion. Sie wird, so ist zu befürchten, nicht rhetorisch bleiben. Der gewaltsame Protest wird zunehmen.

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