Politik : Milizen-Chefs aus Ruanda festgenommen

Karlsruhe - Zwei ruandische Milizenführer, die für den Tod von hunderten Zivilisten im Kongo verantwortlich sein sollen, sind in Karlsruhe und Stuttgart festgenommen worden. Wie die Bundesanwaltschaft am Dienstag mitteilte, wirft sie dem 46-jährigen Ignace Murwanashyaka und dem 48-jährigen Straton Musoni Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor.

Laut Bundesanwaltschaft handelt es sich bei den Männern um die beiden Führungsfunktionäre der Milizenorganisation Demokratische Kräfte für die Befreiung Ruandas (FDLR). Die aus Angehörigen der Volksgruppe der Hutu bestehende Organisation ging aus Mitgliedern der ruandischen Armee und Milizen hervor, von denen einige beschuldigt werden, 1994 in Ruanda an der Ermordung von rund 800 000 Tutsis und gemäßigten Hutus beteiligt gewesen zu sein. Später war sie am Bürgerkrieg in den an Ruanda grenzenden Landesteilen der Demokratischen Republik Kongo beteiligt. Die Milizionäre sollen dort nach Angaben der Bundesanwaltschaft von Januar 2008 bis Juli 2009 mehrere hundert Zivilisten getötet, eine Vielzahl von Frauen vergewaltigt, etliche Dörfer geplündert und zahlreiche Kinder als Soldaten zwangsrekrutiert haben. Die Zivilbevölkerung sollte damit gezwungen werden, die FDLR-Kämpfer zu versorgen und ihnen Schutz vor feindlichen Milizen zu gewähren.

Murwanashyaka kam als Asylbewerber nach Deutschland, studierte und promovierte in Köln und lebte später in Mannheim. Murwanashyaka und sein Stellvertreter sind seit 2005 mit Reise- und Finanz-Sanktionen des UN-Sicherheitsrats und der EU belegt. AFP

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