• Milizen überfallen das UN-Hauptquartier in Dili - Präsident Clinton fordert Indonesien auf, den Terror zu beenden

Politik : Milizen überfallen das UN-Hauptquartier in Dili - Präsident Clinton fordert Indonesien auf, den Terror zu beenden

Ein Überfall pro-indonesischer Milizen auf das UN-Hauptquartier in Dili hat die internationale Krise um Ost-Timor am Freitag weiter verschärft. Trotz massiven Drucks hielt die indonesische Staats- und Militärführung ihre Zusagen nicht ein, die Ordnung auf der völlig verwüsteten Inselhälfte wieder herzustellen. Bewaffnete Milizen stürmten das evakuierte UN-Gelände und bedrohten etwa 1500 Flüchtlinge und rund 50 UN-Mitarbeiter, die zurückgeblieben waren. Zudem sei ein UN-Konvoi auf dem Weg zum Flughafen beschossen worden. Indonesische Sicherheitskräfte sahen Augenzeugenberichten zufolge tatenlos zu.

US-Präsident Bill Clinton forderte Jakarta ultimativ auf, den Terror in der ehemaligen portugiesischen Kolonie zu beenden oder eine internationale Friedenstruppe zuzulassen. Clinton stellte in Washington klar, die indonesische Regierung und das Militär seien verantwortlich für die Sicherheit in Ost-Timor. "Wenn Indonesien die Gewalt nicht beenden kann, muss es die internationale Gemeinschaft einladen, dabei zu helfen", sagte er. Der US-Präsident warnte Jakarta vor ernsten wirtschaftlichen Konsequenzen, wenn Ost-Timor nicht seinen mit der Volksabstimmung eingeschlagenen Weg in die Unabhängigkeit fortsetzen könne. Die USA haben ihre Militärhilfe an Indonesien mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Eine Delegation des Weltsicherheitsrates verhandelte am Freitag in Jakarta erfolglos mit Verteidigungsminister Wiranto, der immer mehr als starker Mann in Indonesiens Führung gilt. Präsident Habibie dementierte jedoch erneut Rücktrittsabsichten. Wiranto lehnte eine internationale Friedenstruppe zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Die Bundesregierung hat sich indessen bereit erklärt, für Ost-Timor humanitäre und wirtschaftliche Hilfe im Rahmen der Vereinten Nationen zu leisten. Im Auswärtigen Amt wurde ein Krisenstab eingerichtet. Deutschland will insgesamt mehr als eine Million Mark zur Verfügung stellen. Außenstaatsminister Volmer sagte: "Wir müssen Indonesien Wirtschaftssanktionen androhen." Einen deutschen Alleingang in dieser Frage lehnte er allerdings ab.

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