Millenniumsgipfel : Topthema, kaum Ertrag

Millenniumsgipfel gegen Armut: Auch nach dem Treffen in New York bleibt die Kluft zwischen Arm und Reich.

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Waldorf Astoria, Ritz-Carlton, Palace: In den New Yorker Luxusherbergen in Reichweite des UN-Sitzes herrschte Hochbetrieb. Könige wie Mohammed von Marokko, Präsidenten wie Robert Mugabe von Simbabwe und Regierungschefs wie Äthiopiens Premierminister Meles Zenawi ließen es sich in den edlen Häusern gut gehen. Ihre langen schwarzen Limousinen kurvten durch die abgesperrte 50. Straße. Im großen Plenarsaal der UN kamen die Staats- und Regierungschefs zum Millenniumsgipfel gegen Armut zusammen. Sie beklagten das Elend, den Hunger und üble Krankheiten wie Malaria. Der Präsident der UN-Generalversammlung, der Schweizer Joseph Deiss, gab die Richtung im Kampf gegen die Armut vor: „Wir müssen es tun, wir wollen es tun, wir können es tun.“

Das Treffen, das am Mittwoch zu Ende ging, dürfte als Gipfel der Widersprüche und der großen Worte in die Geschichte der Weltorganisation eingehen. Klar formulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Leider müssen wir aber heute sagen, dass wir nicht alle Ziele bis 2015 erreichen werden.“ Sie bezog sich auf die acht Millenniumsentwicklungsziele. Die 2000 beschlossenen Ziele gelten als wichtigste Vorgaben im Kampf gegen die Armut, Hunger, Krankheiten, Diskriminierung der Frauen und Umweltzerstörung. Die Toppolitiker wollten in New York prüfen, ob die Welt die Ziele fristgemäß bis 2015 erreichen kann.

Zwar machten einige Länder Finanzzusagen, so will Frankreich mehr als eine Milliarde Euro für den Kampf gegen Krankheiten wie Aids und Malaria geben. Und die UN präsentierten neue Strategien gegen Mütter- und Kindersterblichkeit. Doch bleibt die gigantische Kluft zwischen Arm und Reich auf der Welt bestehen. Rund 1,4 Milliarden Menschen fristen ein Dasein in extremer Armut – sie verfügen über weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Die Finanzkrise stürzte laut Weltbank weitere 64 Millionen ins Elend. „Schöne Gedanken und viele Worte bringen nichts, solange keine konkreten Taten folgen“, kritisierte Stefan Germann von der Hilfsorganisation World Vision. Er und andere private Helfer mahnten eine größere Spendenbereitschaft der Geberländer an.

Bis Ende des Jahres fehlen weltweit rund 20 Milliarden US-Dollar im Kampf gegen die Armut. Vor allem der Sparzwang belastet den Kampf für eine bessere Welt. Die Regierungen der reichen Länder streichen Sozialprogramme für die eigene Bevölkerung. „Klar, dass dann für die Ärmsten der Armen in den Entwicklungsländern nicht mehr allzu viel übrig bleibt“, sagte ein Diplomat. Die Entwicklungsorganisation Oxfam wirft vielen Regierungen reicher Länder „Wortbruch“ vor.

Die Mächtigen in den Entwicklungsländern stellen sich auf die neue Lage ein. Äthiopiens Premierminister Zenawi sagte, die Staaten Afrikas selbst müssten mehr Resultate im Kampf gegen die Armut liefern. „Wir haben weniger Mittel zur Verfügung, wir müssen aber bessere Resultate liefern.“ Er erkannte: „Wir werden nicht mehr so viel Geld erhalten wie früher.“

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