Politik : Millionen fürs Image

Warum die USA wieder in der Unesco mitarbeiten

Matthias B. Krause[New York]

Von Matthias B. Krause,

New York

Als US-Präsident George W. Bush vor einem Jahr auf der UN-Vollversammlung in New York den Wiedereintritt seines Landes in die Unesco ankündigte, konnte er noch nicht wissen, wie sehr er diesen Schritt einmal als politisches Signal brauchen würde. Damals sprach er von einem „Symbol unseres Bekenntnisses zur Menschenwürde“. Zwölf Monate und einen Irak-Krieg später geht es ihm darum, seinem Image als Unilateralist entgegenzutreten und neue Verbündete für seinen gefährlichen und teuren Feldzug im Mittleren Osten zu gewinnen. 60 Millionen Dollar pro Jahr kostet die USA ihre Mitgliedschaft, die am Mittwoch offiziell in Kraft getreten ist. Statistisch gesehen sind das 25 Cent pro Bürger. Das sei nicht zu viel angesichts der hehren Ziele der Ausbildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen, meint William H. Luers, Chef eines auf UN-Fragen spezialisierten Washingtoner Politik-Zirkels. Außerdem werde das Geld dazu beitragen, „die Sümpfe auszutrocknen, in denen der Terrorismus gedeiht“, sagte Luers.

Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (Unesco) war 1945 zeitgleich mit den Vereinten Nationen gegründet worden. Die Reagan-Administration hatte 1984 den Austritt der USA beschlossen, weil ihr im Zuge des Kalten Krieges die Stimmung in der Unesco zu antiamerikanisch geworden war. Washington machte für seinen Schritt zudem Geldverschwendung und Korruption in der UN-Organisation verantwortlich. Die Unesco verlor damit ihren größten Beitragszahler. In den vergangenen Jahren beschnitten grundlegende Reformen die ausgewucherte Bürokratie.

Dass Bush nun den Wiedereintritt seines Landes als seine eigene Initiative verkauft, stieß bei Parteifreunden auf Kritik. „Das ganze ist eigentlich mein Baby“, sagte der republikanische Abgeordnete Jim Leach der „New York Times“. Der Delegierte aus Iowa initiierte den Gesetzentwurf, der schließlich die Millionen im Staatshaushalt für die Unesco frei machte. „Ich habe der Administration erklärt, dass in einer Zeit, da sie als unilateral verdammt wird, nichts besser wäre als ein Wiedereintritt, um dem Image zu helfen.“

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