Politik : Milosevic angeklagt wegen Völkermord

Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ist vor dem UN-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag nun auch erstmals wegen Völkermordes in Bosnien-Herzegowina angeklagt worden. Die Anklage umfasse 29 Verbrechen, begangen zwischen 1992 und 1995 in Bosnien, teilte das UN-Tribunal am Freitag mit. Chefanklägerin Carla del Ponte beschuldigt Milosevic des Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verstöße gegen die Genfer Konventionen und gegen das Kriegsrecht. Es ist die dritte und bislang schwerwiegendste Anklage gegen Milosevic. Bisher wurde er wegen Kriegsverbrechen in Kroatien und im Kosovo angeklagt. Milosevic habe "an einem kriminellen Unternehmen" teilgenommen, dass die "erzwungene und dauerhafte Entfernung der Mehrheit der Nicht-Serben aus großen Gebieten von Bosnien-Herzegowina" zum Ziele gehabt habe, heißt es in einer Erklärung des Tribunals.

Voraussichtlich in den kommenden Tagen wird Milosevic vorgeladen, um zu den neuen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Der Prozessbeginn ist für Februar angesetzt, im Falle einer Zusammenlegung der Anklagen wird sich der Termin vermutlich um mehrere Monate verschieben. Die Prozessdauer wird auf über ein Jahr geschätzt.

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