Politik : Milosevic sieht sich als Opfer

Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic am Dienstag der Nato eine kriminelle Aggression im Kosovo vorgeworfen. Bei den Bombenangriffen zwischen März und Juni 1999 habe es eine Unmenge von zivilen Opfern gegeben, sagte er. Seinen Richtern unterstellte er Parteilichkeit, weil sie nicht die Nato anklagen ließen, sondern ihn. Zum Thema Rückblick: Milosevics Verhaftung
Porträt: Richard May, der Milosevic-Richter
Hintergrund: Kriegsverbrechertribunal
Link: Die Anklageschrift des UN-Tribunals (englisch) Das Tribunal setzte den Beginn des Milosevic-Prozesses für den 12. Februar 2002 fest. Das Verfahren könne drei Jahre dauern, schätzte ein Richter. Milosevic versicherte entgegen anders lautenden Befürchtungen, dass er nicht an Selbstmord denke. Dies würde er seiner Familie nicht antun wollen.

Zugleich beklagte er in seiner Anhörung, Opfer einer internationalen Verschwörung geworden zu sein. Er bezeichnete das Tribunal als "illegal" und warf Chefanklägerin Carla Del Ponte "absolute Voreingenommenheit" vor. Milosevic warnte, dass ein Prozess gegen ihn terroristische Aktivitäten durch Albaner in Serbien verstärken werde. Dort würden schon seit Monaten Serben "abgeschlachtet". Milosevic behauptete zudem, dass der jetzt in Afghanistan gesuchte Osama bin Laden zwei Jahre nach den Anschlägen auf US-Botschaften in Ostafrika in Albanien gewesen sei. Die Regierung von Präsident Bill Clinton habe dies gewusst und mit ihm besprochen, fügte er hinzu.

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