Politik : Milosevic wird in Serbien beerdigt

Caroline Fetscher

Berlin - Am Mittwoch hat das Gerangel um den Ort der Beisetzung von Slobodan Milosevic schließlich ein Ende gefunden. Der am Samstag in Den Haag verstorbene ehemalige Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic soll am Samstag an seinem Heimatort Pozarevac, 50 Kilometer von Belgrad entfernt, bestattet werden – dem Ort, an dem er im August 1941 zur Welt kam.

Beauftragt von der Familie des Verstorbenen, organisiert Milorad Vucelic, Mitglied der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) die Zeremonie. In der Regierung Serbien-Montenegros spielt die SPS, Hochburg der Anhänger Milosevics, die Rolle eines kleinen Koalitionspartners. Der Presse sagte Vucelic, am Samstag werde parallel zur Beerdigung eine Trauerfeier in Belgrad stattfinden. Dort soll der Tote zuvor 48 Stunden lang offenbar im Revolutionsmuseum aufgebahrt werden, um Gefolgsleuten Gelegenheit zum Abschied zu geben.

Tagelang war darüber spekuliert worden, ob der Leichnam des in UN-Haft verstorbenen Ex-Diktators in Belgrad selbst bestattet werden soll, ob mit oder ohne Staatsbegräbnis, ob auf dem Ehrenfriedhof der Stadt oder nicht. Erwogen hatte die Familie als letzte Ruhestätte auch Moskau, wo Milosevics Ehefrau Mira Markovic und deren Sohn leben. Beide genießen in Russland Flüchtlingsstatus. Als gegen Markovic von der serbischen Staatsanwaltschaft wegen zahlreicher Delikte Haftbefehl ergangen war, hatte sie sich nach Moskau abgesetzt, wo sie unbehelligt lebt. Für den Zeitraum der Beerdigung soll dieser Haftbefehl vorübergehend aufgehoben werden, doch noch scheint ungewiss, ob Markovic tatsächlich einreisen wird.

Ein russisches Ärzteteam, das zur Überprüfung der Autopsie nach Den Haag gereist war, bestätigte am Mittwoch deren Ergebnis. „Wir stimmen den Ergebnissen der Obduktion vollkommen zu“, sagte der Mediziner Leo Bokerija der Nachrichtenagentur AFP. Milosevic habe einen plötzlichen Herzinfarkt erlitten. Die Untersuchungen durch die niederländischen Ärzte seien professionell durchgeführt worden. Moskau hatte zunächst Zweifel an der Richtigkeit der Autopsie erhoben; zugleich wurden Vorwürfe laut, Milosevic sei nicht ausreichend medizinisch versorgt worden.

Indes fand Serbiens Außenminister harte Worte für den Toten und dessen Trauergemeinde. Vuk Draskovic erklärte, er schäme sich für Menschen, „die offene Verehrung für einen Mann zeigen, der verantwortlich ist für so viele Gräueltaten und Morde an seinen politischen Gegnern“. Vielmehr, so der Minister über Slobodan Milosevic, gehöre er „in die Hölle“.

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