Politik : Milosevics Vertraute jetzt vor Gericht

Caroline Fetscher

Berlin - Erneut steht ein serbischer Ex-Präsident in Den Haag vor seinen Richtern. Auf derselben Anklagebank, auf der Slobodan Milosevic bis zu seinem Tod vor vier Monaten Kriegsverbrechen vorgehalten worden waren, sitzen nun sein früherer Vertrauter Milan Milutinovic, 63 Jahre alt und von 1998 bis 2002 Serbiens Präsident, sowie fünf weitere ranghohe serbische Militärs und Politiker. Begonnen hat damit am Montag vor dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien ein weiterer Mammutprozess. Den Angeklagten wird die Ermordung von hunderten und die Vertreibung von 80 000 kosovo-albanischen Zivilisten in den Jahren 1998 und 1999 vorgeworfen.

In seinem Eingangsplädoyer sagte Ankläger Thomas Hannis, die Angeklagten hätten einen „menschlichen Exodus“ verursacht. Bei der serbischen Führungsriege unter Milosevic habe es sich um eine kriminelle Vereinigung gehandelt. Man werde beweisen, dass die Angeklagten Mittäter von Milosevic waren. „Ich bin nicht schuldig“ – „ja nisam kriv“ –, gaben alle sechs zu Protokoll. Erwartet wird, dass dieses Schlüsselverfahren dazu beiträgt, Lücken im unvollendeten Prozess gegen Slobodan Milosevic zu schließen. Milosevic war im März in seiner Zelle in Den Haag an einem Herzinfarkt gestorben. Von Belgrad überstellt ans Tribunal, hatte er dort wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Bosnien, Kroatien und im Kosovo vor Gericht gestanden.

Neben Milutinovic müssen sich der serbische Ex-Ministerpräsident Nikola Sainovic, zwei Ex-Generalsstabchefs und zwei Ex-Generäle verantworten. Die Anklage will einen Rechercheur von Human Rights Watch in den Zeugenstand rufen, eine ehemalige OSZE-Beauftragte und ein Mitglied der serbischen Milizeinheit „Skorpione“. Auf ihrer Zeugenliste stehen Massaker-Überlebende sowie US-General Wesley Clark und US-Chefdiplomat Nicholas Burns.

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