Politik : Milzbrand-Alarm auch in Afrika

Berlin (Tsp).

Berlin (Tsp). Die Bedrohung durch Briefe mit dem Milzbrand-Erreger nimmt zu. Am Donnerstag ist erstmals außerhalb der USA ein Schreiben mit Anthrax-Bakterien entdeckt worden. Vier Familienmitglieder in Kenia kamen mit den Sporen in Kontakt, die ihnen in einem Brief aus den USA zugeschickt wurden. Ebenso wie in Deutschland gab es in anderen Ländern Alarm, weil Postsendungen mit weißem Pulver gefunden wurden. In den USA ist eine Mitarbeiterin des Fernsehsenders CBS an Milzbrand erkrankt. Erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten blieb das Abgeordnetenhaus am Donnerstag aus Angst vor Infektionen geschlossen.

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Stichwort: Milzbrand
Trittbrettfahrer: Empfindliche Strafen Die Zahl der Milzbrand-Fälle im US-Kongress wird womöglich weiter steigen. Er gehe davon aus, dass weitere Tests positiv ausfallen, sagte Senator Bill Frist am Donnerstag im Fernsehsender ABC. Zahlreiche weitere Testergebnisse stünden noch aus. Auch der Chef der demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus, Dick Gephardt, sagte dem Sender, ein Anstieg der Fälle sei "möglich". Bis Mittwoch war der Milzbrand-Erreger bei 31 Menschen im Senat festgestellt worden. Bei keinem von ihnen kam die Krankheit jedoch zum Ausbruch.

Auch bei den Fällen in Kenia ist noch nicht klar, ob sich die Menschen infiziert haben. Das Schreiben an einen kenianischen Geschäftsmann ist nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums bereits am 8. September in den USA abgeschickt worden und einen Monat später in Nairobi eingegangen. Der Brief sei in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia aufgegeben worden, habe aber zusätzlich einen Poststempel aus Miami in Florida getragen.

In anderen Ländern tauchten ebenfalls verdächtige Schreiben auf. Die Londoner Zentrale des Weltdienstes der britischen Rundfunkanstalt BBC wurde am Mittwoch nach dem Fund eines verdächtigen Pakets teilweise evakuiert und geschlossen. In Paris ging am Donnerstag ein Brief mit Pulver bei der französischen Nationalversammlung ein. Drei Parlamentsmitarbeiter wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

In Deutschland sind weitere mutmaßliche Trittbrettfahrer der Anschlagsserie in den USA festgenommen worden, die Briefe mit vermeintlichen Milzbrand-Erregern verfasst haben sollen. Zudem musste bei der Post auch am Donnerstag wieder mehrfach Alarm wegen verdächtiger Sendungen ausgelöst werden. Die Sorge vor Milzbranderregern stellte sich bisher allerdings als unbegründet heraus. Innenminister Otto Schily warnte Trittbrettfahrer vor harten Strafen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat angesichts der gegenwärtigen Bedrohung den USA bei der Bekämpfung des Terrorismus nach Angaben aus Regierungskreisen die Hilfe deutscher Truppen gegen biologische und chemische Angriffe sowie bei der medizinischen Betreuung im Fall von Evakuierungsmaßnahmen angeboten.

Alarmbereitschaft herrschte am Donnerstag auch im US-Bundesstaat Pennsylvania. Gegen das Atomkraftwerk Harrisburg ging eine "glaubwürdige Drohung" ein. Der Luftraum über dem Kraftwerk wurde gesperrt.

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