Politik : Milzbrand: Briefe mit Erregern legen US-Kongress lahm

Robert Birnbaum

Die mutmaßlichen Bioterror-Angriffe haben am Mittwoch den US-Kongress teilweise lahmgelegt. Nachdem bei 31 Beschäftigten im Senat Spuren des gefährlichen Milzbrand-Erregers gefunden wurden, beschloss das benachbarte Repräsentantenhaus, seine Arbeit für einige Tage einzustellen. Der Senat wollte dagegen weiter tagen. Er sei fest entschlossen, die Arbeit des Oberhauses nicht behindern zu lassen, sagte der Mehrheitsführer Tom Daschle, in dessen Büro der Brief mit dem Milzbrand-Erreger eingegangen war. Spuren des Bakteriums wurden wahrscheinlich auch im Büro des New Yorker Gouverneurs George Pataki entdeckt.

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Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Der TV-Sender CNN zitierte US-Regierungskreise mit den Angaben, bei den an Daschle geschickten Bakterien handle es sich um eine "hochgradige, sehr starke und hochentwickelte" Form. Daschle selbst sagte jedoch, bei den Nasenabstrichen seien nur Spuren des Erregers festgestellt worden, aber keine Infektionen. Bislang gebe es "absolut keinen Hinweis" darauf, dass sich jemand angesteckt habe.

Pataki sagte, in seinem Büro im New Yorker Stadtteil Manhattan sei ein von Polizisten genutzter Raum positiv auf Milzbrand getestet worden. Deswegen sei mit "hoher Wahrscheinlichkeit" davon auszugehen, dass der Erreger vorhanden sei. Wie das Bakterium in die Räume geraten sei, sei unklar. Die Tests seien vorgenommen worden, nachdem seine Sekretärin einen verdächtigen Brief in die Hände bekommen habe. Ein Test an dem Brief selbst sei jedoch negativ ausgefallen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass das Bakterium auf einen der Mitarbeiter oder Polizisten übergegriffen habe. Er selbst und seine rund 80 Mitarbeiter würden "als reine Vorsichtsmaßnahme" Antibiotika einnehmen.

Mit den 31 Fällen im Senat stieg die Zahl der Menschen in den USA, bei denen in den vergangenen zwei Wochen der Milzbranderreger entdeckt wurde, auf 44. Auch bei der US-Weltraumbehörde NASA gingen mehrere Briefe mit einer verdächtigen Substanz ein, wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte. Zwei Gebäude sowie das Postverteilungsbüro des Kennedy-Weltraumzentrums im Bundesstaat Florida wurden geräumt.

Unterdessen hat der Pharmakonzern Bayer seit dem Auftreten der ersten Milzbrand-Fälle in den USA die Produktion des Antibiotikums Ciprobay erheblich ausgeweitet. Der erwartete Ergebnisbeitrag aus der erhöhten Produktion von Ciprobay kann nach Konzernangaben in diesem Jahr aber nicht die Ergebnisbelastung durch die Rücknahme des Medikaments Lipobay ausgleichen.

Die deutsche Polizei nahm am Mittwoch in Kassel und Münster zwei mutmaßliche Trittbrettfahrer fest, die Briefe mit weißem Pulver verschickt und damit Angst vor Milzbranderregern ausgelöst hatten. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bezeichnete die Trittbrettfahrer als "eine der widerlichsten Erscheinungen". Vermeintliche Milzbrand-Briefe führten am Mittwoch wieder zu erheblichen Verzögerungen bei der Post.

In Kassel wurde ein 35 Jahre alter Deutscher gefasst. Er hatte fünf Briefe per Post versandt. Die Post hielt zwei der Schreiben an, weil sie die Aufschrift "Probieren Sie das sensationelle Gesundheitspulver von Dr. med. Milzbrand" trugen und weißes Pulver enthielten. Auf den Umschlägen stand allerdings der korrekte Nachname des Absenders.

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