Politik : Milzbrand: Der Bazillus aus dem Schlachthof

Paul Janositz

Die jüngsten Fälle von Milzbrand schrecken nicht nur die amerikanische Bevölkerung auf, auch das FBI ermittelt jetzt wegen des Verdachts terroristischer Angriffe. In Florida musste ein Mann ins Krankenhaus eingeliefert werden, bei dem die Ärzte Spuren des Anthrax-Erregers festgestellt hatten. Der 73-jährige Ernesto Blanco hatte mit dem Fotoredakteur der Zeitung "Sun" zusammengearbeitet, der am vergangenen Freitag an Milzbrand gestorben war. Das FBI riegelte das Gebäude in Boca Raton ab. Ein weiterer Verdachtsfall in Virginia bestätigte sich am Dienstag zunächst nicht.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Normalerweise befällt der Erreger von Milzbrand, Bacillus antracis, in erster Linie Huftiere. Jedoch auch Menschen, die engen Kontakt zu den erkrankten Tieren haben, können sich infizieren. Je nachdem, wo die Bakterien in den Körper eintreten können, kommt es zum Haut-, Lungen- oder Darmmilzbrand. Es bilden sich schwer zu heilende Geschwüre, vor allem im Gesicht sowie an Händen und Beinen. Wenn Milzbrand auch die Lungen, Bauchorgane und sogar das Gehirn befällt, kann die Krankheit tödlich sein. Gefährdet sind vor allem Menschen, die berufsmäßig viel mit Tieren und tierischen Produkten zu tun haben. Um Ansteckung und Ausbreitung zu verhindern, werden vor allem in Schlachthöfen strenge Kontrollen durchgeführt. Als Therapie dient die möglichst frühzeitige Gabe von hochdosiertem Penicillin oder anderen Antibiotika. Die Patienten müssen isoliert werden, Mediziner müssen beim Umgang mit den Betroffenen Handschuhe tragen.

Die wichtigste Form der Vorbeugung ist es, den Kontakt mit erkrankten Tieren zu meiden. Milzbrand, der über die Haut übertragen wird, ist relativ harmlos und heilt oft sogar ohne Behandlung von selbst ab. Gegen das Einatmen des Erregers, der zum Lungenmilzbrand führt, kann man sich mit einem speziellen Mundschutz gut schützen. Ein zugelassener Impfstoff existiert wegen zahlreicher Nebenwirkungen für die Allgemeinbevölkerung bisher noch nicht. Besonders gefährdete US-Soldaten werden jedoch seit einigen Jahren geimpft.

In Florida ließen sich jetzt etwa 500 Personen auf eine mögliche Milzbrand-Infektion testen. Für Besorgnis besteht Anlass, denn nach dem Tod des 63-jährigen Redakteurs Bob Stevens wurden die gefährlichen Erreger auch an einer Computer-Tastatur in der Redaktion entdeckt. Fachleute schließen aus, dass die Bakterien auf natürlichem Wege in das Zeitungsgebäude gelangt sein können. Die zuständige Gesundheitsbehörde hält "menschliches Eingreifen" für die wahrscheinlichste Ursache für die Vorfälle.

Der Tod des Fotojournalisten war der erste Anthrax-Todesfall in den USA seit 1976. In den letzten hundert Jahren sind von dieser Form des Milzbrandes nur 18 Fälle bekannt. Den Verdacht, es könnte sich um einen terroristischen Anschlag handeln, nährt ein Brief, der etwa eine Woche vor dem 11. September bei der "Sun" eingegangen ist. Darin hat sich nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Newsweek" eine pudrige Substanz und ein Armband mit einem Davidstern befunden. Beide infizierten Redakteure sollen damit in Berührung gekommen sein. In Miami wurden indes zwei Familien unter Beobachtung gestellt, die am Wochenende nach eigenen Angaben per Post ein weißes Pulver zugeschickt bekamen. Den Gesundheitsbehörden zufolge litten drei der acht Menschen an leichtem Fieber.

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