Politik : Milzbrand-Erreger im Senat

Elke Windisch

In einem fünften Gebäude des Washingtoner Kapitols sind Milzbrand-Erreger gefunden worden. Die Sporen seien in einem Lastenaufzug in einem Haus des US-Senats entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Das Gebäude ist seit der Vorwoche gesperrt, als ein Brief mit Milzbrand-Erregern bei dem Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, eingegangen war.

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Trittbrettfahrer: Empfindliche Strafen Im Kongress wurde das Bakterium bei 28 Menschen entdeckt, ohne dass die Krankheit bei einem von ihnen zum Ausbruch kam. Seit Anfang Oktober starben in den USA drei Menschen an Lungenmilzbrand, insgesamt wurden bislang 13 Fälle von Milzbrand-Infektionen bestätigt. Am Mittwoch gab es zwei neue Verdachtsfälle in New York und Washington. Bei der Person in Washington handele es sich um eine Parlamentsjournalistin, teilten die US-Gesundheitsbehörden mit. Sollte sich der Verdacht auf Milzbrand bestätigen, wäre sie die erste Person, die nach einem Kontakt mit Erregern in Kongressgebäuden erkrankt ist.

Das US-Außenministerium stellte am Donnerstag die Verteilung von Briefen ein, nachdem ein Angestellter positiv auf Milzbrand getestet wurde. Unterdessen sind auch zwei Kinder am Donnerstag mit Milzbrand-Symptomen in ein Washingtoner Krankenhaus eingeliefert worden.

Der Bayer-Konzern wird das Milzbrand-Medikament Cipro zum halben Preis an die US-Regierung liefern. Darauf einigten sich der amerikanische Gesundheitsminister Tommy Thompson und der Chef der US-Niederlassung des deutschen Konzerns, Helge Wehmeier, am Mittwoch. In den Verhandlungen hatte die Regierung auch mit der Aufhebung des Patentschutzes für das Medikament gedroht. Die US-Regierung spart damit 95 Millionen Dollar oder die Hälfte des bisherigen Preises.

Die bei den Milzbrand-Anschlägen auf den US-Senat verwendeten Sporen wurden einem Pressebericht zu Folge mit Chemikalien behandelt, die auf eine Herkunft aus der ehemaligen Sowjetunion, den USA oder dem Irak hindeuten. Am Montag hatten Vertreter des Pentagon mit der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Usbekistan ein Abkommen zur Säuberung der Aral-Insel Wosroschdenije unterzeichnet. Die Insel hatte den Sowjets seit Anfang der siebziger Jahre als größtes Testgelände für Killerbakterien unter freiem Himmel gedient.

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