Politik : Milzbrand: Weltweit steigt die Angst vor Infektion

Washington/Berlin (AP/rtr/dpa/AFP).

Washington/Berlin (AP/rtr/dpa/AFP). Die offenbar absichtliche Verbreitung von Milzbrand-Erregern in den USA hat weltweit Beunruhigung und Ängste ausgelöst. US-Präsident George W. Bush teilte mit, in einem Paket an den Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, seien Milzbranderreger entdeckt worden. Das Büro des Senatpräsidenten sei versiegelt und seine Mitarbeiter medizinisch untersucht worden. In der Poststelle des Bundeskanzleramts in Berlin wurde ein Brief mit einem verdächtigen weißen Pulver entdeckt. Wegen des Eingangs ähnlicher Briefe schloss die Deutsche Post AG zwei Briefzentren im Rheinland.

Der Regierungssprecher sagte, zwei Mitarbeiter der Poststelle im Kanzleramt hätten einen verdächtigen Brief in den Mittagsstunden gefunden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sei zu diesem Zeitpunkt nicht im Amt gewesen. Es seien sofort die für solche Fälle vorgesehenen Schutzmaßnahmen getroffen worden. Die beiden Mitarbeiter hätten nach dem Fund des Briefes sofort die Poststelle verlassen. Mit ersten Untersuchungsergebnissen werde im Verlauf des Dienstags gerechnet.

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Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Ermittler in den USA untersuchten am Montag unterdessen fieberhaft, ob der Terroristenführer Osama bin Laden hinter der Serie von "Milzbrandbriefen" steckt. Die Polizei des Kapitols teilte mit, die verdächtige Sendung an Daschle werde weiter untersucht. Mitarbeiter des Senats und Repräsentantenhauses wurden aufgefordert, keine Post mehr zu öffnen. Bush sagte, der Umschlag sei kurz nach der Annahme positiv auf den Erreger getestet worden. Es könnte eine Verbindung zu dem Terroristenführer bin Laden geben, harte Beweise dafür gebe es aber noch nicht. Nach einem Bericht des ZDF-Magazins "Frontal 21" hat die Terrororganisation "Al Qaida" möglicherweise bereits Zugriff auf nukleare, biologische und chemische Kampfstoffe. Das Fernsehmagazin beruft sich dabei auf Geheimdienstquellen und die Anti-Terrorismus-Abteilung der Vereinten Nationen.

Einer der Flugzeug-Attentäter von New York, Mohammed Atta, hatte sich nach ZDF-Recherchen zwei Mal mit irakischen Geheimdienstoffizieren in Prag getroffen. Der Irak hatte vor Jahren über den wissenschaftlichen Austausch mit Universitäten in den USA Milzbranderreger des Typs erhalten, der bei den jüngsten Fällen in Florida zum Einsatz kam.

In Deutschland haben sich nach offiziellen Angaben bisher alle Milzbrand-Verdachtsfälle als falscher Alarm erwiesen. In mehreren deutschen Städten waren in der vergangenen Woche verdächtige, mit Pulver gefüllte Briefe aufgetaucht.

Auf dem Flughafen von Wien stellte sich ein Alarm um ein Pulver, in dem ein biologischer Kampfstoff vermutet wurde, am Montag als falsch heraus. Bei der weißen Substanz handle es sich um Stärke, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Ein Teil des Flughafengebäudes war am Sonntagabend geräumt und desinfiziert worden, nachdem ein Passagier etwa 200 Gramm eines Pulvers entdeckt hatte.

Angesichts der Bedrohung durch Terroranschläge setzt die Europäische Union einen Expertenstab für Atom-, Bio- und Chemiewaffen ein. Dieses Gremium solle international rund um die Uhr konsultiert werden können, teilte EU-Umweltkommissarin Margot Wallström in Brüssel mit. Zusätzlich zu dem ABC-Expertenstab solle die internationale Zusammenarbeit insbesondere beim Austausch von Informationen über Seren, Impfstoffe und Antibiotika sowie Warnsysteme ausgebaut werden.

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